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Katholische Berufsbildungswerke: Arbeit ist mehr als Erwerbstätigkeit

PADERBORN – Der Inklusionsanspruch in der beruflichen Rehabilitation, das Engagement in der Jugendhilfe, die Betreuung und Beschulung von Flüchtlingen und wie definiert und versteht man überhaupt Arbeit? Mit diesen Themen hat sich die Herbst-Tagung der katholischen Fraktion der Berufsbildungswerke in Deutschland beschäftigt.


Was bedeutet eigentlich Arbeit?

Berufsbildungswerke (BBWs) – 52 gibt es insgesamt in Deutschland, davon ist rund ein Viertel in katholischer Trägerschaft – bringen vornehmlich junge Menschen mit besonderem Teilhabebedarf beruflich und persönlich auf Kurs: durch berufsvorbereitende Maßnahmen oder eine Berufsausbildung. Jahr für Jahr vermitteln die BBWs so Tausende von Jugendlichen erfolgreich in Arbeit. Doch was bedeutet eigentlich Arbeit? Für die Berufsbildungswerke in christlicher Trägerschaft ist klar: Arbeit dürfe nicht reduziert werden auf Erwerbsarbeit und auf die Vermittlung von Fertigkeiten. Im Wesentlichen gehe es vor allem um die identitätsstiftenden und sozialen Komponenten von Arbeit.

Neues Verständnis von Arbeit

"Ausgehend von dem reduzierten Arbeitsbegriff des deutschen Arbeits- und Sozialrechts sind im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und der katholischen Soziallehre eigene Kriterien zu formulieren, die dem menschenrechtlichen Anspruch auf würdevolle Arbeit entsprechen", fordern Bernhard Preusche, Geschäftsführer des Ethikkomitees der Stiftung Liebenau, und Herbert Lüdtke, Geschäftsführer des zur Stiftung Liebenau gehörenden Berufsbildungswerks Adolf Aich Ravensburg, ein "neues Verständnis von Arbeit". Nach dieser Vorstellung sei Integration in die Gesellschaft nicht die Reduzierung auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – wobei dieser Wert keineswegs in Frage gestellt werde. Und im Falle der konfessionell geprägten BBWs zählen auch Aspekte wie Spiritualität, Seelsorge und ein entsprechendes Menschenbild zu den Prinzipien der Einrichtungen in ihrem alltäglichen Tun.

Austausch mit Arbeitsagentur

Ein Dauerthema für BBWs ist auch die mittlerweile gängige Praxis von Kostenträgern, viele Bildungsmaßnahmen per Ausschreibungen zu vergeben und mit dem dadurch entstehenden Preiskampf die Berufsbildungswerke unter Druck zu setzen. Der Umgang mit dieser Problematik stand bei dem Paderborner Treffen ebenso auf der Agenda wie der Austausch mit dem Hauptkostenträger der Berufsbildungswerke, der Bundesagentur für Arbeit. Als Vertreterinnen der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen diskutierten Stephanie Hermann und Margarete Gustafsson unter anderem mit Reinlinde Steinhofer, Gesamtleiterin des gastgebenden Kolping-Berufsbildungswerks Brakel. Dabei ging es zum Beispiel um Leistungsvereinbarungen, neue Modellprojekte, die Aufgaben der BBWs an den Schnittstellen zu Eingliederungshilfe und Jugendhilfe sowie die Rolle der Berufsbildungswerke bei der Aufnahme und Begleitung jugendlicher Flüchtlinge.

Geistlicher Impuls

Der im Zeichen von St. Martin stehende geistliche Impuls, der von Ansgar Wiemers, Diözesanpräses des Kolpingwerkes St. Martin Paderborn, gehalten wurde, machte nochmals die Spannung deutlich, in der die BBWs in kirchlicher Trägerschaft stehen: den Mantel zu teilen – der Heilige Martin hat auch einen Teil für sich behalten – und den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

 


 

Kontakt:
Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
vera.ruppert(at)stiftung-liebenau.de

www.stiftung-liebenau.de

 

 

erstellt am 08.12.2015



Gemeinsame Aufgaben, gemeinsame Werte - Vertreter der deutschen Berufsbildungswerke in katholischer Trägerschaft trafen sich in Paderborn zum Austausch: Mit dabei: Herbert Lüdtke, Geschäftsführer des BBW Adolf Aich Ravensburg (4.v.li.) und Bernhard Preusche, Geschäftsführer des Ethikkomitees der Stiftung Liebenau (4.v.re.).

Gemeinsame Aufgaben, gemeinsame Werte - Vertreter der deutschen Berufsbildungswerke in katholischer Trägerschaft trafen sich in Paderborn zum Austausch: Mit dabei: Herbert Lüdtke, Geschäftsführer des BBW Adolf Aich Ravensburg (4.v.li.) und Bernhard Preusche, Geschäftsführer des Ethikkomitees der Stiftung Liebenau (4.v.re.).