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Fachtagung "Perspektiven für die berufliche Rehabilitation"

ULM – Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens veranstaltete das Regionale Ausbildungszentrum (RAZ) in Ulm eine Fachtagung zum Thema "Perspektiven für die berufliche Rehabilitation" in der Handwerkskammer. In Fachvorträgen und Workshops wurde der Frage nachgegangen, wie sich Jugendliche mit Lernbehinderung im neuen, gestuften Ausbildungsmodell wieder finden.

ULM – Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens veranstaltete das Regionale Ausbildungszentrum (RAZ) in Ulm eine Fachtagung zum Thema "Perspektiven für die berufliche Rehabilitation" in der Handwerkskammer. In Fachvorträgen und Workshops wurde der Frage nachgegangen, wie sich Jugendliche mit Lernbehinderung im neuen, gestuften Ausbildungsmodell wieder finden.

Jugendliche profitieren von neuem Ausbildungsmodell

"Was können wir positiv entwickeln, um jungen Menschen einen guten Start ins Berufsleben zu ermöglichen?", fragte Herbert Lüdtke, Geschäftsführer des Berufsbildungswerks Adolf Aich gGmbH (BBW) in Ravensburg, dem Träger des Ulmer RAZ. Gemeinsam mit Abteilungsleiterin Birgit Simon begrüßte er rund 80 Tagungsgäste in der Ulmer Handwerkskammer. Kritisch merkte Lüdtke an, dass die Ausschreibung der kooperativen Ausbildungen, bei der ein massiver Wettbewerb gefördert werde, zulasten der Qualität gehen könne.

Voraussetzungen für gelungene Lernprozesse

Um adäquate Lernwege für Menschen mit Lernbehinderung drehte sich der Vortrag von Dr. Stefan Thelemann, der beim BBW Ravensburg den Bereich Diagnostik und Entwicklung leitet. "Nur wichtige Inhalte, die Begeisterung wecken und mit positiven Emotionen besetzt sind, gelangen ins Langzeitgedächtnis", machte er deutlich. Voraussetzung für einen gelungenen Lernprozess seien neben ausreichendem Schlaf, Bewegung und ausgewogener Ernährung eine gute Beziehung zum Ausbilder und eine Portion Neugier. "Wichtig ist, Bezüge zur vertrauten Lebenswelt herzustellen", so Dr. Thelemann. Für junge Menschen mit Lernbehinderung sei entscheidend, dass man ihnen etwas zutraue. "Sie können lernen, sie brauchen nur länger." In den letzten Jahren sei allgemein eine Abnahme der Leistungsfähigkeit festzustellen. Ursachen seien unzureichende personale und soziale Kompetenzen, mangelnde praktische Fähigkeiten und psychosoziale Störungen. "Dies hat häufig den Abbruch der Ausbildung zur Folge", stellte Thelemann fest. Andererseits seien bei vielen jungen Menschen Begabungsreserven vorhanden. Durch das Fördern von Basiskompetenzen, therapeutische und medizinische Intervention sowie Stütz- und Förderunterricht können sie unterstützt werden.

Perspektiven für praktisch begabte Jugendliche

Über die Vorteile von flexibleren Übergängen innerhalb der Ausbildungsberufe sprach Birgit Mayr-Krause von der Handwerkskammer Ulm. "Die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Berufen und die Flexibilisierung eröffnet lernschwachen und eher praktisch begabten Jugendlichen Perspektiven", sagte Mayr-Krause. So sehe die Stufenausbildung bereits nach zwei Jahren einen qualifizierten Abschluss vor, auf dem aufgebaut werden könne. Zufrieden äußerte sich Mayr-Krause mit der Ausbildungsplatz-Situation im Bezirk der Handwerkskammer Ulm: Statt 227 zusätzlicher Lehrstellen, wie im Ausbildungspakt gefordert, konnten 336 neue Ausbildungsplätze geschaffen werden.

Von der Industrie- und Handelskammer Ulm sprach Dr. Thomas Frank. Angesichts des Rückgangs der Schulabgänger – bis zu 30 000 bis zum Jahr 2020 – hält er die Zahl von aktuell 350 Ausbildungsberufen für viel zu hoch. Er plädierte für das Prinzip "Dual mit Wahl": Konzentration auf Berufsgruppen mit Grundberufen, Flexibilisierung durch Wahlmodule in den Aufbauberufen, Vergleichbarkeit durch bundesweit einheitliche Abschlussprüfungen. "Für Berufe im Dienstleistungsbereich sehe ich eine gute Zukunft", so Dr. Frank.

Info:
Zehn Jahre Regionales Ausbildungszentrum (RAZ) Ulm

Begonnen hat das RAZ Ulm 1998 mit fünf Mitarbeitern und 27 Auszubildenden in drei Berufen Beikoch, Fachkraft im Gastgewerbe und Bäckereifachverkäuferin. Im zweiten Jahr kam der Beruf des Bäckers hinzu. Trotz der eigenen Berufsschule im Haus war die Ausbildung im Bäckerhandwerk für die meisten Azubis zu schwer. Im Lauf der Jahre konnten mit Unterstützung der Handwerkskammer Ulm die theoriereduzierten Berufe des Bäckerfachwerkers und der Verkaufshelferin im Bäckerhandwerk installiert werden. 2004 begann das RAZ mit der kooperativen Ausbildung, bei der die fachpraktische Unterweisung komplett in externen Betrieben stattfindet. Die Ausbildungen zum Fachlageristen und zur Verkäuferin kamen hinzu. 2005 wurde das Ausbildungsangebot um Auto- und Gartenbaufachwerker sowie Gebäudereiniger erweitert.

Als Einrichtung der Berufsbildungswerk Adolf Aich gGmbH gehört das RAZ zum Verbund der Stiftung Liebenau.

Kontakt
Regionales Ausbildungszentrum (RAZ) Ulm
Ulmergasse 15
89073 Ulm

Tel.: 0731 96878-0
Fax: 0731 96878-11
info(at)raz-ulm.de
www.raz-ulm.de

Von: Claudia Wörner, erstellt am 14.04.2008



Fachtagung RAZ Referenten
Mit Perspektiven für die berufliche Rehabilitation beschäftigten sich (v.l.) Herbert Lüdtke, Geschäftsführer BBW Ravensburg; Birgit Simon, Abteilungsleiterin RAZ Ulm; Birgit Mayr-Krause, Handwerkskammer Ulm; Dr. Stefan Thelemann, Leiter Diagnostik, BBW Ravensburg; und Dr. Thomas Frank, IHK Ulm, bei einer Fachtagung in der Ulmer Handwerkskammer.

Fachtagung RAZ Catering
Sorgten fürs leibliche Wohl: Die Auszubildenden des Regionalen Ausbidungszentrums Ulm.

Fotos: Wörner



Die betriebsnahe Ausbildung im Regionalen Ausbildungszentrum (RAZ) ermöglicht es jungen Menschen mit Lernbehinderung ihre Ausbildung je nach individuellen Möglichkeiten entweder von Beginn an in anerkannten Ausbildungsbetrieben aus der Region zu absolvieren oder das erste Ausbildungsjahr in den Ausbildungswerkstätten und Betrieben des RAZ in Ulm und im Anschluss in Betrieben der freien Wirtschaft. Es eignet sich für junge Menschen, die bereits in der Lage sind, in Betrieben zu arbeiten, aber noch einen gewissen Betreuungsbedarf benötigen.

www.raz-ulm.de