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Besuch im BBW: Landtagspräsident Wolf diskutiert über Inklusion

RAVENSBURG – Um das Thema Inklusion ging es bei Gesprächen mit dem baden-württembergischen Landtagspräsidenten Guido Wolf im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW). Der aus Weingarten stammende CDU-Politiker warnte davor, bei Bildungsreformen die individuellen Bedürfnisse und Förderbedarfe benachteiligter Menschen aus den Augen zu verlieren.

„Ich habe eine Affinität zu Einrichtungen, die sich um sozial Benachteiligte kümmern“, schickte Wolf, der bei seinem Besuch in der alten Heimat auch Station im BBW machte, der Diskussion mit Vertretern der Bildungseinrichtung voraus. So sei auch das Berufsbildungswerk Adolf Aich „kein absolutes Neuland für mich.“ Über ein eigenes Familienmitglied habe er bereits einige Einblicke in die dortige Arbeit erhalten und so festgestellt: „Sie haben viel gemacht, und sie machen viel.“

Berufsbildungswerke auf dem Prüfstand

Seit über 30 Jahren bildet das BBW junge Menschen mit besonderem Förderbedarf aus und vermittelt sie nachhaltig in den Arbeitsmarkt. Die Frage ist nun: Wird es auch in Zukunft noch Berufsbildungswerke geben? So steht im Zuge der allgegenwärtigen Inklusionsdebatte derzeit der komplette Bildungsbereich auf dem Prüfstand. Doch gerade in Sachen beruflicher Bildung gebe es in der Politik über künftige Konzepte „noch wenig konkrete Vorstellungen“, wie BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke erläuterte. Zugleich nehme aber der finanzielle Druck auf die Einrichtungen zu. So treibe die bundesweit 52 Berufsbildungswerke die Sorge um: „Was passiert mit uns, wenn Inklusion kommt?“ Fällt damit auch das Ravensburger BBW als Einrichtung für lernbehinderte und benachteiligte Menschen mittelfristig dem Rotstift der Inklusion zum Opfer – oder wird es als Spezialeinrichtung und Kompetenzzentrum mit Wohnheim, Berufsschule und psychologischem Fachdienst erhalten bleiben?

„Beschützte Räume erhalten“

Landtagspräsident Wolf sprach sich generell für „so viel Integration wie möglich“ aus. Jedoch müsse es dabei im Sinne der betroffenen Menschen weiterhin gewisse beschützte Räume geben, „um ein Maximum an Förderung zu gewährleisten“ – sei es in den Ausbildungswerkstätten oder auch in der BBW-eigenen Sonderberufsschule. Im Schulbereich, der im Moment so viele Veränderungen erfahre, sei es laut Wolf vielleicht angebracht, von „zu viel Hektik und Aktionismus“ abzusehen. Insgesamt gelte es, in Schule und Ausbildung ein breites Angebot vorzuhalten, „dass jedem seine individuellen Entfaltungsmöglichkeiten lässt.“ Dazu gehöre auch, Institutionen wie dem BBW die Existenzberechtigung zuzubilligen.

„Berufsbildungswerke sind Inklusionsmaschinen“

Für Herbert Lüdtke ist es ohnehin klar, dass seine Einrichtung mit den Zielen der Inklusion einhergeht: „Berufsbildungswerke sind Inklusionsmaschinen!“ Als Spezialeinrichtungen seien sie für eine auf wenige Jahre begrenzte Zeit dazu da, Jugendliche mit Startschwierigkeiten auf Kurs zu bringen. Und das mit nachweislichem Erfolg. Fast alle von ihnen schaffen die Prüfung, zwei Drittel der Absolventen werden dauerhaft in Arbeit vermittelt. „Und wenn die jungen Menschen dann tatsächlich die Berufsausbildung geschafft haben, sind sie nicht mehr lernbehindert“, so Lüdtke. „Sie arbeiten und sind ein normaler Teil der Gesellschaft.“ Und nachher frage auch keiner mehr, „ob sie einmal in einem Berufsbildungswerk waren oder sonst irgendwo.“

 


 

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erstellt am 12.10.2012



Rundgang durch das Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW): Landtagspräsident Guido Wolf (Mitte) lässt sich von Schreiner-Azubi Gerry Henfling (links) unter den Augen von BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke sowie den Teilnehmervertretern Marcus Stehle und Timo Fendt (hinten von links) seine Arbeit in der Ausbildungswerkstatt zeigen.

Rundgang durch das Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW): Landtagspräsident Guido Wolf (Mitte) lässt sich von Schreiner-Azubi Gerry Henfling (links) unter den Augen von BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke sowie den Teilnehmervertretern Marcus Stehle und Timo Fendt (hinten von links) seine Arbeit in der Ausbildungswerkstatt zeigen.