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Inklusion in Berufsbildungswerken – eine Positionsbestimmung

RAVENSBURG – Berufsbildungswerke sind regelrechte Inklusionsschlüssel, die Teilhabe ermöglichen und Ausgrenzung nicht praktizieren, sondern dauerhaft verhindern. Eine Tatsache, die bei der Inklusionsdebatte oft ignoriert wird. Deshalb hat Herbert Lüdtke, Geschäftsführer des Berufsbildungswerks Adolf Aich (BBW) Ravensburg zusammen mit Willibald Hafner-Laux (Leiter der Abteilung fortbilden & entwickeln bei der Stiftung Liebenau) und dem Sozialwissenschaftler Heiko Kleve eine Positionsbestimmung veröffentlicht: „Berufsbildungswerke als Institutionen stellvertretender Inklusion“.

Seit mehr als drei Jahrzehnten bewähren sich die 52 bundesdeutschen Berufsbildungswerke. Sie sorgen dafür, dass jedes Jahr Tausende junger Menschen mit besonderem Teilhabebedarf beim Übergang von Schule und Beruf nicht durch das Raster fallen und den Anschluss verlieren – sondern dass sie stattdessen mit der nötigen Unterstützung und Förderung in einem BBW ihre Eintrittskarte für die Arbeitswelt lösen. Sie haben dann nicht nur einen Job, sondern sind ein ganz normales Mitglied der Gesellschaft.

Kein Platz mehr für Berufsbildungswerke?
Doch seit dem Aufkommen der Inklusionsdebatte werden Komplexeinrichtungen wie die Berufsbildungswerke von bestimmter Seite per se „verteufelt“. Der Vorwurf: Jede größere und „besondere“ Einrichtung grenze quasi automatisch den Menschen aus und stehe den Werten der Inklusion entgegen. Seit Jahren geraten Berufsbildungswerke in diesem Zusammenhang unter Druck. Oft wird dabei ein Bild von Inklusion gezeichnet, in dem in Zukunft kein Platz mehr ist für diese Spezialeinrichtungen mit ihrem nachgewiesenen Know-how.

Verständnis von Inklusion muss hinterfragt werden
Aber was wäre, wenn dieses normative und politische Inklusionsverständnis eines ist, das zwar als Ideal gut gemeint ist, das jedoch aus der soziologischen Perspektive zumindest hinterfragt werden sollte? Was wäre, wenn man dadurch sogar zu dem Schluss kommt, dass Berufsbildungswerke Inklusion nicht erschweren, sondern vielmehr sichern und fördern? Und dass sie in einer hoch differenzierten Gesellschaft geradezu Inklusionsschlüssel darstellen?

BBWs betreiben (stellvertretende) Inklusion
In ihrer Positionsbestimmung kommen Herbert Lüdtke und Co. zu der These, dass Berufsbildungswerke „nicht auf Dauer angelegte Sondereinrichtungen sind, „die Menschen wegsperren und separieren, sondern dass sie Inklusion betreiben –stellvertretende Inklusion für Menschen, die von unserer Gesellschaft ansonsten exkludiert werden“. Demnach kommen die betroffenen jungen Menschen nicht in eine Behinderteneinrichtung, sondern in eine Schule, in eine Ausbildungsstätte, in ein Internat, das gesellschaftlich ein hohes Maß an Anerkennung besitzt und wertgeschätzt wird. „Da geht man gerne hin und muss sich nicht entschuldigen“, heißt es in dem Artikel.

Differenziertes Inklusionsverständnis ist nötig

Und so plädieren die Autoren für ein differenziertes und realistisches Inklusionsverständnis, das die einzelnen Personen in ihrem Kontext wahrnimmt. So, wie es in der täglichen Arbeit des BBW auch gemacht wird: „Je nach Teilhabebedarf des jungen Menschen wird ein individuelles Paket geschnürt, um so inklusiv wie möglich die jeweiligen Ziele zu erreichen.“

Berufsbildungswerke als Institutionen stellvertretender Inklusion - eine Positionsbestimmung

 


 

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erstellt am 30.10.2014