Sie sind hier:  Aktuelles & Informationen »  Presse 

Stundenkürzungen und Finanzierungslücken: BBW-Sonderberufsschule unter Druck

RAVENSBURG – Das Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) gerät immer mehr unter Druck. Nicht nur der Ausbildungsbetrieb ist ein Minusgeschäft. Auch die Finanzierung der eigenen Sonderberufs- und Sonderberufsfachschule macht Sorgen. Massive Stundenstreichungen stellen die Josef-Wilhelm-Schule (JWS) vor große Herausforderungen. Bleiben die Schüler mit besonderem Teilhabebedarf, oft mit psychischen Beeinträchtigungen oder auch autistischen Störungen, langfristig auf der Strecke?


Widerspruch zwischen Theorie und Praxis

"Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung." So steht es im Artikel 11 der Verfassung des Landes Baden-Württemberg. Und weiter heißt es: "Staat, Gemeinden und Gemeindeverbände haben die erforderlichen Mittel (…) bereitzustellen." Doch kommt das Land dieser Verpflichtung tatsächlich nach? In der Josef-Wilhelm-Schule sieht man aufgrund der jüngsten Entwicklungen einen klaren Widerspruch zwischen Theorie und Praxis.

"Massive Unterfinanzierung"

So fielen in der BBW-eigenen Sonderberufsschule im vergangenen Schuljahr bereits 100 Wochenunterrichtsstunden dem Rotstift des Landes zum Opfer. Nun sollen weitere 15 Prozent des Unterrichts gestrichen werden. Kein Wunder, dass BBW-Geschäftsführung und Schulleitung Alarm schlagen. "In der Schule haben wir seit Jahren eine derart massive Unterfinanzierung, dass wir hier an die Grenzen kommen", sagt BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke zum Sparkurs des Landes und befürchtet "einen Kahlschlag", der die alltägliche Arbeit der Schule gefährdet – in kleinen Klassen auch Schüler mit größeren Lernschwierigkeiten, auch Schüler mit einer Autismus-Spektrum-Störung oder mit psychischen Problemen zu einer erfolgreichen Prüfung zu führen.

"Da geht es nicht um Peanuts"

Die Schulfinanzierung war für das BBW in seiner über 30-jährigen Geschichte noch nie einfach gewesen. Doch nun kommt es immer dicker. Denn nicht nur die aus Landesmitteln bezahlten Lehrerstellen fehlen. Auch der darüber hinaus gewährte Sachkostenzuschuss deckt den Aufwand rund um den Unterricht bei weitem nicht mehr ab, wie Schulleiter Klaus Hagmann berichtet. Die Lücke ist groß: 750 Euro pro Schüler und Jahr fehlen. "Da geht es nicht um Peanuts", so Hagmann.

Umstrittener Schulstatus

Aber warum ist das so? Knackpunkt ist der umstrittene Status der Josef-Wilhelm-Schule. Und dieser ist entscheidend für Mittelvergabe und Stellenplan. Das Problem: Das Regierungspräsidium setzt die private JWS auf eine Stufe mit den Sonderberufsschulklassen an öffentlichen Berufsschulen. Aber genau dagegen wehrt sich das BBW: Lüdtke und Hagmann verweisen auf § 28 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes für Baden-Württemberg (LKJHG), nachdem die JWS den Heimschulen gleichgestellt sei: "Somit sind auch die entsprechenden Klassenschlüssel von Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung beziehungsweise Schulen für Erziehungshilfe anzuwenden." Denn: "Diese kommen dem BBW am nächsten." Zumal man ja auch anerkannter Jugendhilfeträger sei.

"Unsere Schüler können gar nicht woanders hin"

Als private Sonderberufsschule ist die Josef-Wilhelm-Schule ohnehin eine Exotin in der Schullandschaft und fällt wohl nicht zuletzt deshalb in den bildungspolitischen Debatten so leicht unter den Tisch. Für die betroffenen Schüler ist das kein Trost. Sie sind angewiesen auf jene Förderung, die sie in der JWS bekommen. "Unsere Schüler können gar nicht woanders hin", sagt Klaus Hagmann über seine Klientel und den immer höheren Anteil an psychischen Störungen. Hier ist ein entsprechendes Umfeld, ein entsprechendes Know-how und Personal gefragt. Strukturen, wie sie das BBW bietet. Noch.

Zusätzlicher Druck auf BBW

Dass Schulen Zuschussbetriebe sind, ist klar. Doch während bei öffentlichen Schulen die jeweiligen Kommunen beziehungsweise Landkreise als Schulträger einspringen, bleiben die Finanzierungslücken der Josef-Wilhelm-Schule beim BBW hängen. Und das steht derzeit ohnehin bekanntermaßen unter massivem finanziellen und politischen Druck. Neben den Sorgen um die Zukunft als Spezialeinrichtung im Zuge der Inklusion und die Probleme um unterfinanzierte Ausbildungsmaßnahmen ist nun mit der Schule eine weitere Baustelle hinzugekommen.

Vorstoß beim Regierungspräsidium

Tatenlos will das Berufsbildungswerk Adolf Aich dem nicht zusehen. In puncto Sachkostenzuschuss haben die BBW-Verantwortlichen bereits beim Regierungspräsidium einen Vorstoß unternommen. Und auch eine Klage, was die Klärung des Schulstatus angeht, steht im Raum.

 


 

Kontakt:
Liebenau Teamwork Kommunikation GmbH
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
Telefax 07542 10-1117
info(at)teamwork-kommunikation.de
www.teamwork-kommunikation.de

erstellt am 15.10.2013



Die Finanzierung der BBW-eigenen Josef-Willhem-Schule macht macht Sorgen.

Die Finanzierung der BBW-eigenen Josef-Willhem-Schule macht macht Sorgen.