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Praxistipps vom "Rinderflüsterer"

MECKENBEUREN-LIEBENAU/RAVENSBURG – Sie wiegen über eine halbe Tonne und sind zuweilen ganz schön störrisch: Kühe. Wertvolle Tipps für den richtigen und sicheren Umgang mit den Tieren haben Lehrlinge aus dem Bereich Landwirtschaft des Ravensburger Berufsbildungswerks Adolf Aich (BBW) direkt vom Experten bekommen: "Rinderflüsterer" Denis Fuchs zeigte den Azubis bei seinem Besuch in Liebenau, wie eine Kuh so tickt – und auf was die Jugendlichen im Arbeitsalltag unbedingt achten sollten.


Bloß keine Hektik

"Allez!" Langsam, aber entschlossen nähert sich der Mann im grauen Overall der Kuh. Seine Devise: dem Tier nicht in die Augen schauen, bloß keine Hektik ausstrahlen oder gar aggressive Gesten machen. "Wenn ich ruhig bin, kann ich auch die Kuh beruhigen. Bin ich nervös, rege ich sie auf. Unfälle passieren meistens dann, wenn man es zu schnell macht." Denis Fuchs ist ganz in seinem Element. Als "Rinderflüsterer" ist der Elsässer unterwegs, um in Seminaren sein Wissen an Bauern weiterzugeben. Seine Station heute ist Liebenau, wo er angehenden Landwirtschaftsfachwerkern und Landwirten aus dem BBW eindrucksvoll demonstriert, auf was es im Umgang mit den Tieren ankommt.

Auf Du und Du mit der Kuh

Inzwischen ist er auf Tuchfühlung gegangen. Mit dem Rücken lehnt er an der Kuh, streichelt dann beruhigend ihren Rücken, ehe er seinen linken Arm um den Hals des Tieres legt. Er greift der Kuh ins Maul, massiert sie mit dem Daumen und löst so einen Schluckreflex aus. Jetzt könnten bei Bedarf mühelos Medikamente eingeflößt werden, erklärt Fuchs. Und zwar ohne dass es der Kuh weh tut. Leicht und elegant sieht das aus, wie der schmächtige Franzose das über zehnmal so schwere und zunächst doch so nervöse Rind bändigt und immer wieder in ruhigem Tonfall auf es einredet. Alles eine Frage der Technik, wie Fuchs betont: "Sie müssen wissen, wie man ohne Gewalt und Kraft mit den Tieren umgeht", schärft er den Umstehenden ein.

Beeindruckte Zuschauer

Jenseits des Gatters hat ein Dutzend BBW-Azubis gebannt die Szenerie verfolgt. Die jungen Leute erlernen hier in Liebenau das Rüstzeug für ihren späteren Job in der Landwirtschaft. Am Vormittag hat ihnen Denis Fuchs schon im Klassenzimmer viel erzählt über die Psychologie und die Eigenarten von Rindern. Etwa dass sie viel länger als wir Menschen brauchen, um ihre Augen vom hellen Sonnenlicht auf die dunkleren Lichtverhältnisse im Stall umzugewöhnen. Das erklärt, warum sie vor dem Gang durch das Stall-Tor innehalten. Total interessant sei das gewesen, finden die Azubis.

Respekt haben vor dem Tier

Aber nun folgt der Theorie die Praxis, und hier macht Fuchs seinem Ruf als Rinderflüsterer alle Ehre. Es geht ihm um eine respektvolle Begegnung mit dem Tier – und gleichzeitig um das Entschärfen kritischer Situationen. Dazu gehört zum Beispiel das Anbinden. Denis Fuchs schwingt das Lasso. Ein gekonnter Wurf, nur ein ganz kurzes Zucken des Rindes, das war’s. Dann den richtigen Knoten gemacht, und schon ist die Kuh fest am Gatter angebunden. "Das hält." Und vor allem lässt sich der Knoten mit einem Griff auch blitzschnell wieder lösen. Und das sei ganz wichtig für die eigene Sicherheit, weiß Fuchs.

Unfälle vermeiden

Diese Sicherheit am Arbeitsplatz ist auch das Anliegen von Ralf Besemer von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Baden-Württemberg. "Menschliches Fehlverhalten und Unkenntnis" – das seien oft die Ursachen von Unfällen bei der Rinderhaltung. Deshalb zieht er durch das Land, um mit Schulungen die Arbeit im Stall und auf der Weide weniger gefährlich zu machen. Und mit Denis Fuchs hat er heute einen ausgewiesenen Experten mit nach Liebenau gebracht.

Erfolgserlebnis: Die Kuh hält still

Dem Meister aus dem Elsass gut zugehört und -geschaut haben offenbar die Azubis. Ein 18-Jähriger hat es dem Rinderflüsterer erfolgreich nachgemacht und mit derselben Taktik geschafft, dass die Kuh an seiner Seite brav stillhält. "Bien!"

 


 

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erstellt am 27.08.2013



Auf Du und Du mit der Kuh:

Auf Du und Du mit der Kuh: "Rinderflüsterer" Denis Fuchs (links) macht es vor, und auch der BBW-Azubi hat das Tier jetzt fest im Griff.

 


Das Berufsbildungswerk Adolf Aich gGmbH bietet ein breites Spektrum differenzierter Ausbildungs- und Qualifizierungsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene: von der Berufsfindung, Arbeitserprobung, über Trainingsprojekte bis zur Berufsvorbereitung oder Vollausbildung in einem der über 50 anerkannten Ausbildungsberufe. Das Angebot wird passgenau auf den Einzelnen zugeschnitten. Das BBW hat Standorte in Ravensburg und Ulm.
www.bbw-rv.de