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MdL Monika Stolz informierte sich im Regionalen Ausbildungszentrum (RAZ) in Ulm

ULM – Monika Stolz, Abgeordnete des baden-württembergischen Landtags und ehemalige Sozialministerin, besuchte das Regionale Ausbildungszentrum (RAZ) Ulm des Berufsbildungswerks Adolf Aich. Sie informierte sich über wohnort- und betriebsnahe Ausbildungsmöglichkeiten für benachteiligte Jugendliche mit Lernbehinderung. Im Gespräch mit Abteilungsleiterin Birgit Simon und Roland Groner, kommissarischer Schulleiter der Max-Gutknecht-Schule, wurde deutlich, dass Inklusion um jeden Preis nicht immer der Schlüssel zum schulischen beziehungsweise beruflichen Erfolg ist.


"Sie tragen dazu bei, dass keiner verloren geht"

Aufgabe des RAZ Ulm ist es, junge Menschen mit besonderem Förderbedarf aufs Berufsleben vorzubereiten und ihnen eine dreijährige theoriereduzierte Erstausbildung in neun ganz unterschiedlichen Ausbildungsberufen zu ermöglichen. In diesem Sinne sieht sich das RAZ als notwendigen Baustein für die Inklusion von Jugendlichen mit Teilhabebedarf. In den letzten Jahren habe zwar die Zahl der offenen Ausbildungsplätze zugenommen, gleichzeitig sei die Zahl der Bewerber gestiegen, die nicht vermittelt werden konnten, berichtete RAZ-Einrichtungsleiterin Birgit Simon beim Besuch der Landtagsabgeordneten Monika Stolz. Bisher fanden die Jugendlichen in der Regel über die Förderschule beziehungsweise über die Reha-Berater der Agentur für Arbeit ins RAZ. "Nun erwischt uns das Thema Inklusion auf einem schwierigen Fuß", so Birgit Simon. Besuche das Kind bei freier Schulwahl eine Regelschule, könne es unter Umständen länger dauern, bis die Lernbehinderung erkannt werde. "Da geht viel Zeit verloren", schilderte Simon das Dilemma.

Besondere Förderung ist notwendig

Problem sei, dass die Förderschüler zunächst unerkannt bleiben, ergänzte der kommissarische Schulleiter Roland Groner. "Unsere Schüler gehen an einer normalen Berufsschule unter. Wir haben maximal zwölf Schüler pro Klasse." Das Regierungspräsidium fordere 16 Schüler, wolle mehr als 20 Prozent Unterricht einsparen und den Stütz- und Förderunterricht komplett abbauen, schilderte er die aktuelle Situation, die Anlass zur Sorge gebe. Auch Monika Stolz sieht im Zusammenhang mit Inklusion das Problem, dass nach einem anfänglichen "Toll, dabei zu sein" das Bewusstsein käme, immer der Schlechteste zu sein. "Rechtfertigt das eine Förderschule?", stellte sie in den Raum. Groner und Simon sind sich einig, dass es immer einer besonderen Förderung für Jugendliche mit Lernbehinderung bedarf. "Unser Ziel ist, Behinderung abzubauen", betonte Simon.

Inklusion am Arbeitsplatz

Cornelia Schaal, Fachabteilungsleiterin der Berufsschule im RAZ, beschrieb die besonderen Bedürfnisse von Jugendlichen mit Lernbehinderung: "Was für jemanden mit Körperbehinderung der Fahrstuhl ist, ist für unsere Jugendlichen ein ruhigeres Umfeld und eine kleinere Klasse." Ab dem zweiten Jahr sammeln sie praktische Erfahrungen in regulären Ausbildungsbetrieben. "Wenn es Schwierigkeiten gibt, fangen wir sie hier wieder auf, und wir halten den Kontakt mit dem Betrieb", beschrieb der Leiter der Ausbildung Johannes Hettrich. Nicht wenige Jugendliche hängen an die Fachwerkerausbildung noch ein viertes Jahr, um den regulären Berufsabschluss zu erreichen. "Dann haben wir eine sehr inklusive Situation, das heißt die Jugendlichen nehmen am ganz normalen Arbeitsleben teil", brachte die Leiterin der Bildungsbegleiter Julia Klaß in die Diskussion ein.

Einblick in die praktische Arbeit

Praktischen Einblick in ihre Ausbildung zur Verkaufshelferin im Bäckerhandwerk gaben Tanja Himmler, Sanita Kabashi und Remziye Aymelek. "Im Betrieb werden wir behandelt wie alle anderen, und die Aufgaben sind die gleichen", sind sich die drei einig. Gleichzeitig seien sie froh über die Unterstützung, die sie im RAZ erfahren. Monika Stolz zeigte sich sehr interessiert an den jungen Frauen. "Was Sie schildern, macht Mut. Ich glaube, Sie schaffen Ihren Weg", meinte die Politikerin. Sie informierte sich außerdem in der Klasse der Verkaufshelferinnen. "Am schönsten ist das Kassieren", meinte ein Azubi. "Oder mit den Kunden zu reden", ergänzte ihre Nebensitzerin. Beim Rundgang durch das RAZ besuchte Monika Stolz den Verkaufsladen, in dem die Verkaufshelferinnen im Bäckerhandwerk im ersten Ausbildungsjahr auf die Anforderungen in der Praxis vorbereitet werden. Auch in Bäckerei, Restaurant, Küche und Metallwerkstatt suchte sie das Gespräch mit den Jugendlichen und schaute ihnen bei der Arbeit über die Schulter.

An Stellschrauben lässt sich nicht mehr drehen

Zur Sprache kamen auch die ausgeschriebenen Arbeitsmarktdienstleistungen des RAZ. Dazu gehören Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Berufsausbildungen in kooperativer Form mit einem Betrieb der freien Wirtschaft ab dem ersten Ausbildungstag und Integration von Rehabilitanden in den Arbeitsmarkt. "Fakt ist, dass wir nicht noch mehr an den Stellschrauben drehen können, wenn wir differenzierte Angebote und eine qualitativ hochwertige Förderung bieten wollen", sagte Birgit Simon angesichts des immer stärker werdenden Wettbewerbs. Auch den RAZ-Mitarbeitern sei man eine gewisse Planungssicherheit schuldig. Monika Stolz dankte für die Einblicke in die engagierte Arbeit. "Sie tragen dazu bei, dass keiner verloren geht." Die Vermittlungsquoten würden zeigen, dass es für die Jugendlichen durchaus Perspektiven gebe.

 


 

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erstellt am 23.07.2013



Einblick in die Arbeit angehender Verkaufshelferinnen im Bäckerhandwerk: Monika Stolz (re.)

Einblick in die Arbeit angehender Verkaufshelferinnen im Bäckerhandwerk (von rechts): Bei ihrem Besuch im Regionalen Ausbildungszentrum (RAZ) in Ulm sprach Landtagsabgeordnete Monika Stolz mit den Azubis Tanja Himmler, Sanita Kabashi und Remziye Aymelek.

 



Die betriebsnahe Ausbildung im Regionalen Ausbildungszentrum (RAZ) ermöglicht es jungen Menschen mit Lernbehinderung ihre Ausbildung je nach individuellen Möglichkeiten entweder von Beginn an in anerkannten Ausbildungsbetrieben aus der Region zu absolvieren oder das erste Ausbildungsjahr in den Ausbildungswerkstätten und Betrieben des RAZ in Ulm und im Anschluss in Betrieben der freien Wirtschaft. Es eignet sich für junge Menschen, die bereits in der Lage sind, in Betrieben zu arbeiten, aber noch einen gewissen Betreuungsbedarf haben.
www.raz-ulm.de