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Autist Markus H.: Ausbildung mit Hindernissen

RAVENSBURG – Im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) in Ravensburg werden immer mehr Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störungen auf ihren Start ins Arbeitsleben vorbereitet. Markus H. ist einer, der diesen großen Schritt schon vor gut zwei Jahren gemeistert hat.

 

Autist Markus H.: Ausbildung mit Hindernissen

Heute steht der inzwischen 25-Jährige mitten im Berufsleben. Eigener Job, eigene Wohnung. Damit hat er etwas geschafft, was noch vor wenigen Jahren unmöglich schien. Denn bevor er einst nach Ravensburg ins BBW kam, hatte der junge Mann aus dem bayerischen Allgäu schon eine wahre Odyssee hinter sich: mehrere Förderschulen besucht, diverse Maßnahmen absolviert, und immer hatte es Probleme gegeben.

Dann die Diagnose, die sein auffälliges Verhalten erklärte: Asperger-Syndrom. BBW-Psychologin (B.Sc.) Gabriele Schneider  erinnert sich: "Er war sehr impulsiv, rastete regelmäßig aus und zeigte weitere ganz typische Symptome: etwa mangelnde Gruppenfähigkeit sowie Konzentrations- und Kommunikationsprobleme." Nicht gerade Eigenschaften, die in einer Berufsausbildung gefragt sind. Zweifel waren also angebracht, dabei ging es doch um so viel für Markus. Ein Scheitern im BBW, und er wäre wohl in einer Werkstatt für behinderte Menschen gelandet. Und das bei seinen Fähigkeiten. Denn: "Kognitiv war er ja fit", betont Schneider.

Halt durch klare Strukturen

Im BBW machen über 700 junge Menschen eine Berufsvorbereitung oder Ausbildung – unter ihnen immer mehr mit einem Asperger-Syndrom. Aktuell gibt es über 60 Betroffene. Mit einem eigenen Konzept in Sachen Autismus-Spektrum-Störungen und den Spezialisten des hauseigenen Fachdienstes gilt das BBW Adolf Aich heute als anerkannte Adresse auf diesem Gebiet. Markus gehörte seinerzeit zu einen der ersten Azubis mit einer Asperger-Diagnose, und zählt bis heute zu einem der komplizierteren Fälle.

Mit "großem Engagement" hätten sich Ausbilder und Betreuer für Markus eingesetzt und ihm ein geeignetes Umfeld geschaffen, berichtet Schneider. So wurde im BBW-Internat extra ein Einzelzimmer für ihn eingerichtet, in das er sich fernab des WG-Trubels zurückziehen konnte. Zudem brauchen Autisten klare Strukturen, die Halt geben und Routine vermitteln. Ob es der Wäschekorb ist, der immer rechts und keinesfalls links vom Bett stehen darf, die Farbe der Gardinen, Checklisten am Arbeitsplatz oder ein strikter, minutiös festgelegter und schriftlich notierter Tagesablauf: "6 Uhr aufstehen, 6 Uhr 15 waschen, 6 Uhr 30 Bett machen, und so weiter", erklärt Schneider.

Geduld zahlt sich aus

Frustrierende Rückschläge blieben trotzdem nicht aus: Scheiben gingen zu Bruch, mehrfach lief Markus weg, musste von den BBW-Mitarbeitern am Ravensburger Bahnhof aufgelesen werden. Es war ein Weg der kleinen, beharrlichen Schritte, der sein Umfeld bis an die Grenzen des Machbaren gebracht hat, wie Schneider einräumt.

Und doch ging es langsam voran: Nach seiner Berufsvorbereitung hatte er eine Fachlageristen-Lehre begonnen. Ein Beruf mit strukturierten Arbeitsabläufen, genau das Richtige für Markus, der Lob einheimste und sich das Vertrauen der Ausbilder sicherte: "Dem", so hieß es, "würde ich sogar mein Passwort geben." Auch sein Verhalten besserte sich spürbar: das Sozialkompetenztraining sowie ein zeitaufwändiges Coaching trugen Früchte. Markus konnte in eine Außenwohngruppe umziehen, sogar an einer Freizeit teilnehmen – und natürlich seine dreijährige Ausbildung abschließen. Eine Erfolgsgeschichte, die Gabriele Schneider und ihre Kollegen stolz macht: "Es war sicher eine der spannendsten Biografien, die ich bisher begleitet habe."

 


 

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erstellt am 03.02.2012



Markus H. bei seinem Job im Lagerbereich

Menschen mit Asperger-Syndrom brauchen klare Strukturen – auch im Arbeitsleben. Ein geeignetes Umfeld für Jugendliche wie Markus H. bietet etwa ein Job im Lagerbereich.