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350 Gäste beim Fachtag Autismus im BBW Adolf Aich

RAVENSBURG – Rund 350 Gäste sind zum fünften Fachtag des Autismus-Kompetenznetzwerkes Bodensee-Oberschwaben in das Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) der Stiftung Liebenau gekommen. Dort informierten namhafte Experten die Zuhörer in Fachvorträgen über das Thema Autismus. Im Fokus der diesjährigen Veranstaltung: die Darstellung verschiedener Therapiemöglichkeiten.

RAVENSBURG – Rund 350 Gäste sind zum fünften Fachtag des Autismus-Kompetenznetzwerkes Bodensee-Oberschwaben in das Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) der Stiftung Liebenau gekommen. Dort informierten namhafte Experten die Zuhörer in Fachvorträgen über das Thema Autismus. Im Fokus der diesjährigen Veranstaltung: die Darstellung verschiedener Therapiemöglichkeiten.

Großes Interesse an Fachvorträgen

Ein voll besetzter Saal mit Gästen aus Nah und Fern, namhafte Referenten auf dem Podium und ein reger fachlicher Austausch: Auf erneut große überregionale Resonanz ist der Fachtag des Autismus-Kompetenznetzwerks Bodensee-Oberschwaben gestoßen.   Zusammen mit vielen anderen Vereinen, Betroffenen, Ämtern und Experten beteiligt sich das Ravensburger BBW – das selbst auch Menschen mit Autismus-Störung in Schule und Ausbildung betreut und fördert – seit Jahren an diesem regionalen Netzwerk und war nun einmal mehr Gastgeber des Fachtages.

Wichtiges Netzwerk

BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke bezeichnete es angesichts aktueller Inklusions- und Spardebatten als „gut, dass es solche aktiven Netzwerke gibt, die sich öffentlich äußern.“ Im Namen des Kompetenznetzwerks begrüßte  Mitinitiatorin Professor Dr. Renate Schepker, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am ZfP Südwürttemberg Weissenau, die zahlreichen Teilnehmer und bezeichnete den Fachtag als „Chance, die Menschen persönlich zu treffen, von denen Sie sonst die Bücher und Artikel lesen.“

Vielfalt der Konzepte

Dazu zählte der ärztliche Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik Viersen, Dr. Ingo Spitczok von Brisinksi. Er gab in seinem Vortrag einen Überblick über mögliche Therapieansätze bei Autismus-Spektrum-Störungen. So vielfältig die betroffenen Menschen und Probleme seien, so vielfältig seien auch die Methoden und Konzepte: von Akupunktur und Yoga über Spiel-, Delfin- oder Familientherapie, medikamentöser Behandlung bis hin zu Horch- und Klangtherapien reiche hierbei die Palette.

Jeder Mensch ist anders

Den einen richtigen Weg gebe es nicht. Entscheidend sei immer der Einzelfall, denn die Feststellung „Jeder Mensch ist anders“ gelte auch für Autisten. Sprich: Nicht jedes betroffene Kind profitiert von derselben Therapie. Prinzipiell sei es jedoch wichtig, „so früh wie möglich“ – das heißt optimaler Weise schon im Kleinkindalter – mit Fördermaßnahmen zu beginnen. Mit Rücksicht auf das Kind sollten laut Dr. von Brisinski aber Prioritäten gesetzt und die Therapie nach Wichtigkeit und Erreichbarkeit der Ziele geordnet werden. Die Frage sei: „Muss man alles wirklich sofort anpacken?“ Denn: „Auch diese Menschen brauchen Freiraum und therapiefreie Zeiten.“

Sichtbare Therapieerfolge

Aus eigener Erfahrung in der Autismus-Therapie berichtete auch Hermann Danne. Der Buchautor und Vater eines autistischen Sohnes stellte einen bestimmten Ansatz vor, der in Deutschland noch relativ wenig bekannt sei: „applied behaviour analysis“ und „verbal behaviour“, kurz: ABA und VB. Dabei handele es sich „um die am besten evaluierte Methode in der Therapie von Menschen mit Autismus“. Das heißt: „Die hohe Wirksamkeit ist nachgewiesen“, betonte Danne. Das Konzept basiere zu einem großen Teil auf die positive Verstärkung von bestimmtem Verhalten durch Belohnung, Aufmerksamkeit oder Lob. Allerdings sei Geduld gefragt: Übungen müssten meist sehr oft wiederholt werden, bis sich Erfolge einstellen. Dabei spielen von Seiten der Therapeuten Aspekte wie Beziehungsaufbau und Empathie eine große Rolle: „Wir müssen lernen, wie sie lernen, damit wir sie richtig unterrichten können.“

Herausforderung Schule

Dem Thema „Autismus als Herausforderung für die Schule“ widmete sich Nicole Schuster in ihrem Fachvortrag. So berge der ganz normale Schulalltag für autistische Kinder und Jugendliche teilweise fast unüberwindbare Hürden: Störende Lichtquellen und Hintergrundgeräusche lenken sie leicht ab, und kurzfristige Stundenplanänderungen, Raum- oder Lehrerwechsel irritieren ebenso wie rotierende Sitzordnungen: „Für autistische Schüler kann dies eine Katastrophe sein.“ Auch unstrukturierte Phasen stellen durch Reizüberflutung diese jungen Menschen vor Probleme. Dazu zählt gerade auch die große Pause. „Die meisten Schüler freuen sich darauf, für Autisten ist sie oft das Schlimmste am Tag“, erklärte Schuster. Auch Klassenfahrten sind eine Herausforderung. Dazu komme die stetige Gefahr, aufgrund des Andersseins Mobbing-Opfer zu werden. Dabei ist es durch oft auch ganz simple Maßnahmen möglich, Autisten als „typische Außenseiter“ den Schulalltag erträglich zu machen und sie sozial einzugliedern. Voraussetzung ist, ihnen Verständnis entgegen zu bringen und die Umgebung ihren Bedürfnissen anzupassen.

Erfahrungen aus der Praxis

Einen weiteren Ansatz aus der therapeutischen Praxis stellte die Diplom-Heilpädagogin Katrin Pohl vor: das Stuttgarter Konzept „Schneckenhaus“, das mit der Methode des „Video Home Training“ (VHT) und „Video School Training“ (VST) arbeitet und auf die Unterstützung visueller Medien setzt. Über ein speziell für Asperger-Autisten konzipiertes Sozialkompetenztraining namens „Kompass“ sprach in einem sehr lebendigen, anschaulichen und praxisnahen Vortrag schließlich Bettina Jenny, Psychologin und Psychotherapeutin vom Zentrum für Psychiatrie Zürich.

Download der Vorträge und Bestellung DVD

Die einzelnen Vorträge sowie ein Bestellformular für die DVD der Veranstaltung können Sie sich hier herunterladen.



Kontakt:
Stiftung Liebenau Kommunikation
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren

Telefon 07542 10-1181
Telefax 07542 10-1117

erstellt am 03.02.2011



Vollbesetzter Saal: Mit seinen rund 350 Teilnehmern stieß der 5. Fachtag Autismus des Kompetenznetzwerkes Autismus Bodensee-Oberschwaben wieder auf große Resonanz.