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Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau hilft beim Sprung auf den ersten Ausbildungsmarkt

BIBERACH/HOCHDORF – Den ersten großen Sprung hat Eugen Tempel schon geschafft: Ein Jahr nach seinem Ausbildungsstart in der außerbetrieblichen Ausbildung (BaE) im Berufsbildungswerk Adolf Aich gGmbH (BBW) in Biberach konnte der 18-Jährige in den Metallbaubetrieb Fesseler in Hochdorf wechseln, um dort seine Ausbildung direkt im Betrieb fortzusetzen. Mehr noch: Sein Chef Bernhard Fesseler ist äußerst zufrieden und spielt mit dem Gedanken, ihn nach der dreieinhalbjährigen Schlosser-Lehre zu übernehmen. Dem Übersiedler aus Russland, der in Deutschland keine Schule besucht hat, eröffnen sich beste Chancen. Sein Bildungsbegleiter im BBW, Matthias Friedetzky, sieht das Modell bestätigt, denn: "BaE heißt Integration, die Schwachen so heranzuführen, dass sie mithalten können."

Außerbetriebliche Ausbildung hilft bei Integration

Eugen Tempel ist der erste von 14 Jugendlichen, die in der BaE-Maßnahme den Wechsel in den ersten Ausbildungsmarkt schafften. Seine Chance: Als angehender Metallbauer lernt er einen Beruf, der auf dem Arbeitsmarkt derzeit enorm gefragt ist. Der Markt sei "abgegrast", beklagen wie Fesseler auch andere Betriebe in der Region. Momentan hat Fesseler sieben Mitarbeiter, aufgrund der Marktlage primär Auszubildende und Leiharbeiter.

Fit im Schweißen und am PC

Wichtig im Metallbau ist besonders das Schweißen. "Der Schweißer muss Talent haben wie ein Klavierspieler", weiß Friedetzky. Schließlich dürfen beim nahtlosen Schweißen keine Übergänge zwischen den einzelnen verbundenen Teilen erkennbar sein. Dennoch wird in der Biberacher Außenstelle des BBW nicht nur das Schweißen geübt. In der Aspachstraße werden die jungen Leute insgesamt fit gemacht. "Wir führen sie ans Leben heran, auch an den Computern, wo sie lernen, die eigene Bewerbung zu schreiben", erläutert Friedetzky. Das schönste Kompliment für ihn ist, wenn ihm Unternehmer bestätigen: "Die können was." Deshalb ist Eugen Tempel zwar der erste, wird aber nicht der einzige bleiben, der nach der Zwischenprüfung auf den ersten Ausbildungsmarkt wechselt und im Anschluss in einen ganz normalen Arbeitsvertrag einsteigt.

Eugen Tempel ist im Rahmen seiner Ausbildung bei Fesseler – das Unternehmen fertigt vor allem Metallgeländer – bereits selbstständig mit den ihm auferlegten Arbeiten betraut. Sogar den Gabelstaplerführerschein hat er im Rahmen der BaE-Maßnahme im BBW erworben.

Appell an die Betriebe

Einem Einser-Abiturienten einen Ausbildungsplatz zu besorgen ist kein Problem, bei einem Jugendlichen mit Defiziten sieht das anders aus. Das wissen vor allem die Partner von der Arbeitsagentur, im vorliegenden Fall Berufsberaterin Claudia Bentele und Teamleiter Peter Kaltenmark, die das Benachteiligtenförderprogramm der Bundesregierung gemeinsam mit dem BBW in Biberach umsetzen. Sie sprechen von einer attraktiven Aktion, an der auch bei schlechten schulischen Leistungen im Bezirk von Biberach bis zum Bodensee 120 Jugendliche pro Jahr partizipieren können. Peter Kaltenmark verweist darauf, dass die "vorübergehende Maßnahme" bereits dann als Erfolg gilt, wenn 20 Prozent der Probanden auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln.

Claudia Bentele appelliert an die Bereitschaft der Betriebe, Jugendliche mit Defiziten aufzunehmen. Dabei erinnern die Partner BBW und Arbeitsagentur an die gesellschaftliche Aufgabe der Integration auch schwächerer Jugendlicher, die ansonsten keine Chance haben, ihr Leben einmal selbstständig zu meistern. Praktikumsplätze sind nötig, und wem eine Ausbildung nicht möglich ist, der kann auf die Unterstützung von Agentur und BBW setzen, die flankierend und stand-by um individuelle Lösungen bemüht sind.

Fachkräfte fehlen

Der momentane Fachkräftemangel in den Betrieben wirkt sich für das Klientel der benachteiligten Jugendlichen positiv aus. Sie haben derzeit gute Chancen. Dazu kommt, dass sich die Ausbildungssituation in der Region bestens darstellt: Es gibt lediglich 55 unversorgte Jugendliche im gesamten Zuständigkeitsbereich – bei über 200 freien Ausbildungsstellen.

Eine Chance ist das aufgelegte Benachteiligtenförderprogramm freilich auch für die Unternehmen. Mit der Bereitstellung eines Praktikums- beziehungsweise Ausbildungsplatzes helfen sie sich und den Betroffenen: Sie lösen oder reduzieren so ihr eigenes Fachkräfteproblem, und sie bieten jungen Menschen eine Zukunft.

 

Info

Seit Herbst 2006 bietet das Berufsbildungswerk Adolf Aich gGmbH (BBW) am Standort Biberach so genannte BaE-Maßnahmen (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen). Gefördert von der Bundesanstalt für Arbeit können hier junge Leute, die auf dem regulären Ausbildungsmarkt keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, einen Beruf erlernen. Dabei arbeitet das BBW eng mit lokalen Betrieben zusammen, um die Auszubildenden möglichst mit der betrieblichen Realität in Kontakt zu bringen.

Von: Siegfried Großkopf, erstellt am 14.04.2008



BaE-Auszubildender
Eugen Tempel (18) grundiert ein Metallgeländer. Sein Chef Bernhard Fesseler (rechts) in Hochdorf bei Biberach ist zufrieden mit seinem BaE-Auszubildenden.

Fotos: Großkopf