Sie sind hier:  Aktuelles & Informationen »  Presse 

Auszubildende der Berufsbildungswerk Adolf Aich gGmbH lernen im Bregenzerwald - Lernen ohne Grenzen

AU/BREGENZERWALD – Berufserfahrung im Ausland wird heute von vielen Fachkräften verlangt. Die Berufsbildungswerk Adolf Aich gGmbH (BBW) in Ravensburg und ihr Regionales Ausbildungszentrum in Ulm (RAZ) bieten deshalb ihren lernbehinderten Auszubildenden Praktikumseinsätze im Bregenzerwald an. Unterstützt wird das Ganze durch ein EU-Projekt zur Förderung der Mobilität.

"Mach die Funzel aus." Irina ist irritiert von der Aufforderung ihrer Zimmerkollegin. "Funzel, was ist das?" Inzwischen weiß die 18-jährige Deutsch-Russin Bescheid. Sowohl was eine schwäbische "Funzel" ist, als auch, was in der Küche eines Vier-Sterne-Hotels wie der "Krone" in Au angesagt ist. Vier Wochen leistete sie bei Familie Lingg ein Praktikum im Rahmen eines EU-Mobilitätsprojektes ab. Zur "vollsten Zufriedenheit" ihrer Gastgeber und Ausbilder. "Irina absolvierte ihr Praktikum mit Bravour", schrieben sie ihr ins Abschlusszeugnis, und: "Irina war ein Vorbild für die Auszubildenden".

Vorteile für Auszubildende und Betriebe

Das EU-Mobilitätsprogramm "Leonardo da Vinci" (hier speziell das Projekt "Betriebspraxis in Österreich"), das den Verantwortlichen strenge Vorgaben macht, soll den schwächeren Jugendlichen zu mehr Eigenständigkeit und Mobilitätsbereitschaft verhelfen und ihnen die Chance eröffnen, in den normalen Lern- und Arbeitsprozess eingegliedert werden zu können. Sonja Ruetz, Ausbildungsleitung des BBW in Ravensburg, und Peter Ritter, Ausbilder für Köche im RAZ Ulm, erleben, wie die jungen Leute in den Praktika fern von zuhause aufgeschlossener und offener werden, am Lob ihrer Ausbilder über das Geleistete wachsen und selbstständig ihre schriftlichen Tagesberichte erstellen, ohne dazu gedrängt werden zu müssen. Sonja Ruetz will deshalb das im nächsten Jahr auslaufende Projekt erneut beantragen, mit dem zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können: Zum einen erhalten die Jugendlichen mit einem „Europass Mobilität“ verbesserte Aussichten auf einen qualifizierten Arbeitsplatz, zum anderen eröffnen sich den Jugendliche neue Beschäftigungsmöglichkeiten speziell im Hotel- und Gaststättenbereich in Österreich.

Hotelchefs sind zufrieden

Wie Irina Müller vom RAZ kann sich auch die gleichaltrige Auszubildende Sabrina Bergau vom Berufsbildungswerk Adolf Aich gGmbH (BBW) der Stiftung Liebenau in Ravensburg vorstellen, später einmal als ausgebildete Beiköchin in den Bregenzerwald zurückzukehren. Sabrina war vier Wochen im Hotel-Gasthof "Adler" bei Familie Simma in Au. Und auch ihre Chefs waren hochzufrieden mit ihr. Zu den Ausbildungsmodulen zählte das Vorbereiten und Zubereiten von kalten und warmen Vorspeisen, von Fisch-, Schlachtfleisch-, Geflügel- und Nachspeisen, Fonds und Saucen. Auch bei Banketten, Cocktailempfängen und beim Catering wurde sie eingesetzt.

Zertifikate für die Jugendlichen

Glücklich über die Leistungen und das Verhalten ihre Schützlinge während des Österreich-Einsatzes zeigten sich Sonja Ruetz und Peter Ritter, als sie zum Abschlussgespräch in den Bregenzerwald kamen und ihren Azubi die Europapässe und Zertifikate überreichten. Glücklich nicht zuletzt deshalb, weil das Auftreten ihrer jungen Leute dazu führte, dass weitere Jugendliche vom BBW und RAZ eingeladen sind zu Auslands-Praktika in gepflegten Sterne-Häusern mit internationalem Flair.
    
Hierarchische Ordnung in der Küche

Die Chefin des Hotels Krone, Birgit Lingg in Au sagte umgehend zu, nach Weihnachten zwei weitere Praktikanten zu nehmen, derart eindrucksvolle Spuren hat Irina Müller hinterlassen. Solche Rückmeldungen, sagt der welterfahrene Küchenmeister Peter Ritter, sind wichtig. "Sie beweisen, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Ritter schöpft aus seinem reichen beruflichen Fundus wie seinen jahrelangen Kontakten, ohne die nichts geht, und er sorgt für die passende Auswahl und entsprechende Vorbereitung der jungen Menschen, für die ein solcher Einsatz Belobigung sein soll. Er schickt nicht jeden, denn er weiß, dass in den Küchen solcher Häuser seine Leute "keine Belastung" sein dürfen. Birgit Lingg brachte es bei der Verabschiedung auf den Punkt: "In der Küche herrscht ein hierarchischer Ton und kein demokratischer." Will heißen: Gefragt sind Disziplin und Ordnung, nicht gefragt sind langwierige Diskussionen. Dank der Vorbereitungen in Ravensburg und  Ulm haben die Praktikanten von BBW und RAZ verstanden

Info:

In der Ravensburger Berufsbildungswerk Adolf Aich gGmbH (BBW) machen zurzeit rund 700 Jugendliche mit Lernbehinderungen eine Berufsvorbereitung oder Ausbildung in einem von 40 Berufen. Dabei werden sie sozialpädagogisch begleitet und psychologisch unterstützt. Auch die Berufsschule ist ins BBW integriert. Ein eigener Wohnbereich steht denen offen, die für ihre Ausbildung ein anderes soziales Umfeld brauchen. In speziellen Qualifizierungs- und Trainingsmaßnahmen können sich Arbeitslose wieder fit machen für den Arbeitsmarkt. Das BBW ist eine Tochtergesellschaft der Stiftung Liebenau. Näheres unter www.bbw-rv.de

Das Regionale Ausbildungszentrum Ulm (RAZ) bietet speziell für die Region Ulm Ausbildungsplätze und Berufsvorbereitung für junge Menschen, die auf Grund ihrer schulischen Defizite und Lernschwächen besondere Hilfen und Förderung benötigen. Die Ausbildung erfolgt im RAZ, in Betrieben der freien Wirtschaft und in der Berufsschule, derzeit in zehn Berufen. Näheres unter www.raz-ulm.de

Von: Siegfried Großkopf, erstellt am 20.10.2007




Abschied von Familie Simma im Hotel "Adler" in Au nimmt Sabrina Bergau (zweite von rechts). Als Dank für die Hoteliers hat Peter Ritter (links) ein Präsent mitgebracht.


Irina Müller blinzelt noch einmal in die Bregenzerwald-Sonne. Nach vier Wochen Praktikum im Hotel „Krone“ in Au hat sie die Koffer gepackt.


Ausbilder für Köche Peter Ritter vom RAZ Ulm (Dritter von links) ist stolz auf seinen Schützling Irina Müller (Mitte). Neben ihr der Küchenchef im Hotel Krone in Au, Uwe Zimmermann, inmitten der Küchenbrigade.