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Perspektiven schaffen für Geflüchtete

RAVENSBURG - Integrationshemmnisse bekämpfen, Sprachbarrieren abbauen, Talente entdecken und Chancen eröffnen: Bei verschiedenen Maßnahmen werden junge Geflüchtete im BBW auf ihrem Weg ins Arbeitsleben in Theorie und Praxis unterstützt.

Konzentriert sitzen die jungen Erwachsenen an ihren Arbeitstischen im Berufsbildungswerk und üben den Umgang mit dem Malerpinsel. Durch solche praktische Aufgaben machen sie sich mit dem Berufsfeld Farbe vertraut und merken, ob dieses als dauerhafter Job für sie in Frage käme. An der Stellwand hinter ihnen geben angeheftete Karten und Länderflaggen Auskunft über ihre Herkunft: Afghanistan, Irak, Gambia, Somalia…

Ziel: Ausbildung

Elf  junge Geflüchtete absolvieren derzeit die sechsmonatige Maßnahme „PerjuF“. Das Kürzel steht für „Perspektiven für junge Flüchtlinge“. Und der Name ist Programm: PerjuF soll den Teilnehmenden eine Orientierung im deutschen Ausbildungs- und Beschäftigungssystem geben und sie an eine Lehre heranführen. Im Herbst 2017 startete dieses Projekt, das das BBW gemeinsam mit Arkade-Pauline 13 und im Auftrag des Kostenträgers Agentur für Arbeit anbietet.

Theorie und Praxis

Beim Kooperationspartner stehen an zwei Tagen pro Woche unter anderem Sozialkompetenztraining, Deutsch als Fremdsprache sowie Einzelgespräche und Bewerbertraining auf dem Stundenplan. An den drei anderen Wochentagen sind die PerjuF-Teilnehmer im BBW. Dort lernen sie nach einer Einstiegsphase, in der der individuelle Stand in Sachen Sprache, Integration und Qualifikation festgestellt wird, die verschiedensten Berufsfelder kennen: Holz, Metall, Hauswirtschaft – oder eben Farbe. In Phase drei sollen die Teilnehmer dann ihre erworbenen Kenntnisse bei Praktika in Betrieben erproben.

Knackpunkt Sprache

Oft noch der Knackpunkt in der beruflichen Integration: die Sprache. Insbesondere daran arbeiten die PerjuF-Teilnehmer bei der Arkade-Pauline 13, wie deren Sozialarbeiterin Laura Schiebel erklärt: „Bei uns erhalten sie einen speziellen Deutsch-Unterricht mit Bezug auf die Arbeitswelt.“ Manche Teilnehmer – so ergänzt ihr Projektkollege auf BBW-Seite, Jürgen Frick – belegen sogar nebenher noch einen weiteren Sprachkurs. Daran sehe man: „Die wollen!“ Die Motivation der Geflüchteten sei hoch, so Frick. Aber: „Bei manchen klappt es noch nicht so ganz mit der Pünktlichkeit.“ 

Gambia, Italien, Wilhelmsdorf

Bei Fodayba Fofana schon – obwohl er die weiteste Anreise der PerjuF-Teilnehmer hat und täglich mehr als 20 Kilometer mit dem Bus nach Ravensburg pendelt. Seit rund zweieinhalb Jahren ist der Gambier in Deutschland. Seine Flucht, zu der er ganz alleine aufbrach, führte den heute 21-Jährigen erst nach Libyen, dann übers Mittelmeer nach Italien und schließlich nach Deutschland. Über die Zwischenstation Heidelberg landete er in Wilhelmsdorf. Dort arbeitete er in einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) mit Menschen mit Behinderung. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Eine entsprechende Ausbildung konnte er jedoch wegen seines fehlenden Schulabschlusses nicht machen.

"Kurs gefällt mir"

Jetzt orientiert sich der Asylbewerber, über dessen Antrag noch nicht entschieden wurde, im Rahmen von PerjuF um. Ein Job im Bereich Farbe wäre für Fofana eine mögliche Alternative. Deshalb findet er es „gut, hier viele Berufe kennenzulernen“. Der ganze Kurs gefalle ihm sehr. Sein persönliches Ziel für 2018? „Praktikum und Ausbildung.“

Chance für „Gipfelstürmer“

Auch bei „Gipfelstürmer“, eine elfmonatige Maßnahme des BBW in Kooperation mit dem Jobcenter des Landratsamtes Ravensburg, geht es um eine Verbesserung der beruflichen Startposition. Zielgruppe sind Menschen ohne offiziellen Reha-Status, die aber Gefahr laufen, durchs Raster des Arbeitsmarktes zu fallen. Sprich: Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende, Personen mit einer psychischen Belastung, Langzeitarbeitslose und junge Menschen ohne aktuelle berufliche Perspektive.

Mathe, Deutsch, Praktika

Um ihnen eine solche zu ermöglichen, wird sehr individuell mit den „Gipfelstürmern“ gearbeitet: Sprachtraining, Mathe-Unterricht zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss und berufliche Orientierung in Theorie und Praxis. Auch hier stehen zahlreiche Berufsfelder zur Wahl. Zu den zehn Teilnehmern im Alter von 18 bis 35 Jahren gehört Ahmad Hamza. Er schraubt gerade in der Kfz-Ausbildungswerkstatt des BBW. Der Job gefällt ihm: „Ich mache gerne etwas mit Autos.“ Daheim in Syrien arbeitete er als Konditor, ehe er mit seiner ganzen Familie vor dem Krieg floh. Eine Ausbildung im Kfz-Bereich, das wäre jetzt sein Wunsch.

„Den Geflüchteten Zeit geben“

„Vom Fachlichen her auf jeden Fall“ traut ihm das seine Bildungsbegleiterin im BBW, Conny Auer, zu. Doch mit der Sprache ist er noch nicht ganz so weit. Kein Wunder, ist Hamza doch erst seit anderthalb Jahren hier. „Man muss den Geflüchteten Zeit geben“, betont Auer. Bewährt habe es sich, die verschiedenen Nationalitäten auf die Werkstätten zu verteilen. So werde die sprachliche Integration gefördert: „Dann kommt das von alleine.“

erstellt am 19.12.2017



„Da komme ich her“: Fodayba Fofana, Flüchtling aus Gambia und „PerjuF“-Teilnehmer, weiß auch, wo er hinwill: in eine Ausbildung.

„Da komme ich her“: Fodayba Fofana, Flüchtling aus Gambia und „PerjuF“-Teilnehmer, weiß auch, wo er hinwill: in eine Ausbildung.

 

Vorgeschmack auf seine berufliche Zukunft? Der Syrer Ahmad Hamza erprobt als „Gipfelstürmer“-Teilnehmer im BBW das Arbeitsfeld Kfz.