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Von der Friseurin zur "E-Learning"-Expertin

RAVENSBURG - Susanne Metzler, Umschülerin zur Kauffrau für Büromanagement aus dem Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau, entwickelt im Rahmen ihrer Ausbildung interaktive digitale Lernmodule für Azubis und Mitarbeiter.

Wie entsteht ein Feuer? Wo lauern Brandgefahren? Wie löscht man richtig? Und welche Brandklassen gibt es eigentlich? Mizumi weiß das alles und erklärt es verständlich in Worten und Bildern. Mizumi ist der Name der virtuellen Figur, die den Nutzer am Bildschirm durch das elektronische Lernprogramm zum Thema Brandschutz führt. Doch hinter Mizumi steckt eigentlich Susanne Metzler. Die angehende Kauffrau für Büromanagement aus dem Ravensburger Berufsbildungswerk feilt derzeit – unterstützt von ihrem Ausbilder Matthias Friedetzky – an dieser Anwendung. Nutzerfreundlich soll sie werden und dabei inhaltlich den offiziellen Verordnungen entsprechen. „Und dann hat das Erstell-Programm natürlich noch seine Tücken“, lacht Susanne Metzler.

Digitale Brandschutz-Schulung

Doch davon wird der Nutzer am Ende nichts merken. Er wird sich bequem und zügig durchs Lernmodul klicken können und anschließend einen Wissens-Test absolvieren. Im BBW soll schon bald ein Probedurchlauf starten. Danach soll das Programm im gesamten Verbund der Stiftung Liebenau bei der Brandschutz-Schulung der Mitarbeiter zum Einsatz kommen – ein typisches Beispiel für „E-Learning“, das Lernen mit Unterstützung digitaler Medien.

Auf dem Weg zur „Arbeit 4.0“

Laptop in der Werkstatt, vernetzte EDV-Systeme, computergesteuerte Produktionsmaschinen und viele weitere elektronische Helfer am Arbeitsplatz: Im BBW-Ausbildungsalltag hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. Der Wandel hin zum Arbeiten der Zukunft – „Arbeiten 4.0“ – ist schon jetzt für Ausbilder und Azubis spürbar. Und auch beim Aneignen des Lernstoffes treten nun immer mehr digitale Lösungen an die Stelle klassischer Unterrichtsmaterialien. So gibt es virtuelle Ausbildungsmodule für verschiedene Fächer. Eine umfassende Wissens- und Lernplattform, auf die Azubis jederzeit zugreifen können, wächst stetig. Berichtshefte werden elektronisch geführt, Filme, Tutorials, Chat-Dienste, soziale Netzwerke und Online-Tests kommen beim Lernen zum Einsatz.

Azubis beteiligen sich

Im BBW sind die Azubis selbst maßgeblich daran beteiligt, die entsprechende Technik zu betreuen und die Datenbank mit Inhalten zu füttern. Insbesondere die Fachinformatik-Azubis und die angehenden Bürofachkräfte sind hier ganz vorne mit dabei. Eine der aktivsten: Susanne Metzler. Im vergangenen Ausbildungsjahr kümmerte sie sich um das Erstellen von Online-Übungsausgaben für Azubis, jetzt ist sie schwerpunktmäßig mit der Entwicklung des Brandschutz-Moduls betraut.

Computermaus statt Haarschere

Eigentlich ist die 24-Jährige eine gelernte Friseurin, stand mitten im Arbeitsleben, und der Job machte ihr Spaß. Gesundheitliche Gründe zwangen sie dann jedoch dazu, ihren Beruf an den Nagel zu hängen und sich neu zu orientieren. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich noch einmal etwas ganz anderes machen muss und wusste zuerst auch gar nicht, was.“ Doch dann empfahl man ihr das BBW, und nach ein paar Schnuppertagen im Bürobereich war ihr klar: „Das will ich machen.“ Raus aus dem Job, zurück auf die Schulbank – so war das alles zwar nicht geplant. Doch der berufliche Neuanfang gelang. Im Spätsommer 2016 begann sie ihre knapp zweieinhalbjährige Umschulung zur Kauffrau für Büromanagement. Ihr Arbeitsplatz: das Lok-Center, Außenstelle des BBW in der Ravensburger Bahnstadt – Tür an Tür mit den angehenden Fachinformatikern.

Mülltrennung am Bildschirm lernen

Mit diesen zusammen beteiligten sich Metzler und weitere Büro-Azubis auch am „Young Maker Award“ im Rahmen der Tüftlermesse Maker Faire Bodensee im Sommer 2017. Projekttitel: „Gemeinsames Lernen im virtuellen Raum“. Dazu entwickelte das Team aus dem BBW ein Lernmodul zur Mülltrennung, das quasi Pate steht für das Großprojekt Brandschutz. Vier Wochen Arbeit investierten Metzler und Co. in die Müll-App. „Sie funktioniert mit jedem Gerät: Smartphone, Tablet oder PC.“ Welcher Abfall kommt in welche Tonne? Einmal schnell durchgeklickt, schon weiß man Bescheid. Und wer beim abschließenden Test dann doch den Biomüll per Computermaus in den gelben Sack stecken will, bekommt sofort das mahnende Feedback: „Du solltest noch etwas üben.“

Zukunft E-Learning

Das flexible, zeit- und ortsunabhängige E-Learning sei immer mehr im Kommen, ist sich Susanne Metzler sicher. Viele Unternehmen wollen es haben, aber oft hapere es noch an der Umsetzung. „Da sind wir im BBW und in der Stiftung Liebenau schon auf einem guten Weg“, findet die 24-Jährige. Und sie selbst profitiert vom Know-how, das sie sich inzwischen in Sachen E-Learning erarbeitet hat – und vielleicht ja später im Job nutzen kann? „Schaden tut mir das sicher nicht.“ Den richtigen Beruf – das betont sie – habe sie nach ihrem erzwungenen Jobwechsel auf jeden Fall für sich gefunden.

erstellt am 07.09.2017



Auch digitale Innovationen starten ganz analog am Reißbrett: BBW-Umschülerin Susanne Metzler feilt am Konzept für das Online-Lernmodul „Brandschutz“.

Auch digitale Innovationen starten ganz analog am Reißbrett: BBW-Umschülerin Susanne Metzler feilt am Konzept für das Online-Lernmodul „Brandschutz“.