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„Kein Jugendlicher darf verloren gehen“ – MdB Westermayer zu Besuch

RAVENSBURG – Der Leutkircher Bundestagsabgeordnete Waldemar Westermayer (CDU) war zu Gast bei der Herbsttagung der katholischen Fraktion der Berufsbildungswerke in Deutschland. Zu diesem Treffen waren Vertreter von Einrichtungen aus dem ganzen Bundesgebiet in das Berufsbildungswerk Adolf Aich der Stiftung Liebenau nach Ravensburg gekommen.


Dialog mit der Politik

Rund ein Viertel der 52 deutschen Berufsbildungswerke (BBWs) ist in katholischer Trägerschaft. Doch wie äußert sich diese Prägung? Wie spiegeln sich die christlichen Werte und das entsprechende Menschenbild in der alltäglichen Arbeit bei der Ausbildung von Jugendlichen mit besonderem Teilhabebedarf wider? Und was treibt diese Einrichtungen aktuell um? In einem regelmäßigen Austausch untereinander versuchen die katholischen BBWs, aus diesen Fragen heraus ein klares Selbstverständnis zu entwickeln. Dabei suchen sie immer auch den Dialog mit der Politik – diesmal mit Waldemar Westermayer, der im Bundestag den Wahlkreis Ravensburg vertritt.

„Hier sitzen 180 Berufe“

„Hier sitzen 180 Berufe“, erklärte Michael Breitsameter, Vorstandsvorsitzender des Dachverbandes der deutschen Berufsbildungswerke (BAG BBW), dem Gast aus der Politik das breite Angebot. Und die Erfolgsquoten, so erfuhr der Abgeordnete weiter, seien hoch. Im gastgebenden Ravensburger BBW können beispielsweise rund zwei Drittel der Absolventen Jahr für Jahr zeitnah in eine Beschäftigung vermittelt werden, wie die Geschäftsführer Christian Braun und Herbert Lüdtke vorrechneten.

Es geht nicht nur um Vermittlungsquoten

Gerade angesichts ihrer katholischen Trägerschaft sei es den Einrichtungen aber wichtig, nicht nur auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Jugendlichen zu schauen. „Um des Menschen selbst Willen darf niemand verloren gehen“, betonte Konrad Fath, Leiter des BBW Dürrlauingen in Bayern. So umfasse das Bildungsverständnis der BBWs „viel mehr als nur berufliche Ausbildung“. Gleichwohl lohne sich die Investition in die Jugendlichen auf Dauer auch volkswirtschaftlich, wie wissenschaftliche Studien belegen. „Unterm Strich“, so Michael Breitsameter, „ist es eine Arbeit, die zur Wertschöpfung beiträgt“.

Streitpunkt Bundesteilhabegesetz

Was sie vom derzeit heiß diskutierten Bundesteilhabegesetz halten, wollte MdB Westermayer noch von den BBW-Vertretern wissen. Grundsätzlich begrüßen die Berufsbildungswerke eine Weiterentwicklung dieses Gesetzes in Richtung einer weiteren Personenzentrierung und eines selbstbestimmten Lebens. Man müsse aber darauf achten, dass Menschen mit einer Lernbehinderung oder psychischen Behinderung nicht aus dem System herausfallen, da sie bei einer weiteren Digitalisierung der Arbeitswelt und des gesellschaftlichen Lebens vielleicht zu Personen mit weniger Teilhabechancen gehören könnten. Es bestehe die Gefahr, viele Betroffene im Zuge einer neuen Klassifizierung von „Behinderung“ von Leistungen auszuschließen. Zudem sei nicht geklärt, wie man das Mehr an zugestandenen Rechten ohne Budgeterhöhung finanzieren wolle. „Unsere Ängste waren auch, dass Spezialeinrichtungen wie die Berufsbildungswerke aufgrund eines ideologischen Inklusionsverständnisses herausfallen“, so Breitsameter, was aber nicht geschehen ist.

Engagement für Flüchtlinge

Was die BBWs sonst noch aktuell beschäftigt? Die Unterfinanzierung ihrer Schulen etwa, oder die Situation der tarifgebundenen katholischen BBWs, die auf dem Bildungsmarkt mit Anbietern konkurrieren, die nur Dumpinglöhne zahlen. Ein weiteres Gesprächsthema: Das Engagement der Berufsbildungswerke in Sachen Flüchtlingshilfe, sei es mit Wohnangeboten für Unbegleitete minderjährige Ausländer (UmA) oder mit dem Unterricht für geflüchtete Schüler in so genannten VABO-Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf ohne Deutschkenntnisse). „Sprache und Ausbildung sei die Voraussetzung für eine gelingende Teilhabe“, so Westermayers Credo.

 


Kontakt:
Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
vera.ruppert(at)stiftung-liebenau.de

www.stiftung-liebenau.de

 

 

erstellt am 16.11.2016



Bundespolitiker trifft auf Bildungsexperten beim Treffen der katholischen Fraktion der Berufsbildungswerke im BBW Adolf Aich in Ravensburg (v. li.): Bernd Zimmer, Michael Breitsameter, MdB Waldemar Westermayer, Dr. Markus Feußner, Herbert Lüdtke, Konrad Fath, Klaus Ortner, Christian Braun und Andreas Halbig.

Bundespolitiker trifft auf Bildungsexperten beim Treffen der katholischen Fraktion der Berufsbildungswerke im BBW Adolf Aich in Ravensburg (v. li.): Bernd Zimmer, Michael Breitsameter, MdB Waldemar Westermayer, Dr. Markus Feußner, Herbert Lüdtke, Konrad Fath, Klaus Ortner, Christian Braun und Andreas Halbig.