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BBW-Teilnehmer: Teilhabebedarf steigt

RAVENSBURG – Immer multikultureller, mit immer höheren Schulabschlüssen aber auch mit immer größeren psychischen Problemen: So sind die Azubis und Schüler des Berufsbildungswerks Adolf Aich (BBW) Ravensburg und der anderen 51 Berufsbildungswerke in Deutschland. Das belegen die Daten aus der aktuellen bundesweit erhobenen Teilnehmerstatistik.

Seit 35 Jahren bringt das zur Stiftung Liebenau gehörende Ravensburger BBW junge Menschen mit besonderem Teilhabebedarf beruflich sowie auch persönlich auf Kurs und vermittelt sie erfolgreich in den Arbeitsmarkt. Dabei werden die Herausforderungen für diese Einrichtungen Jahr für Jahr größer. Wie die aktuelle bundesweite Teilnehmereingangserhebung der deutschen Berufsbildungswerke belegt, wies von den Neu-Azubis des Herbstes 2015 mehr als jeder fünfte eine psychische Störung auf.

Anteil psychischer Diagnosen steigt

Damit setzt sich der Trend fort, dass immer mehr Teilnehmer mit Diagnosen wie Autismus, ADHS oder einer Posttraumatischen Belastungsstörung in die Berufsbildungswerke kommen – insbesondere auch nach Ravensburg. Dort reagierte man schon vor Jahren auf diese Entwicklung und schärfte sein Profil dahingehend. Ein spezieller Fachdienst kümmert sich um Diagnostik, Therapie und psychologische Betreuung der betroffenen Jugendlichen. Und so gilt das BBW längst als überregional anerkannte Adresse zum Beispiel im Umgang mit autistischen Jugendlichen. Im vergangenen Ausbildungsjahr 2015/2016 betreute man in Ravensburg rund 70 Autisten in Berufsvorbereitung und Ausbildung – Tendenz steigend.

Immer mehr Hauptschüler

Auch der Trend zu höheren Schulabschlüssen der BBW-Teilnehmer hält an. Zwar stellen die Förderschulabsolventen nach wie vor die größte Gruppe, doch immer häufiger kommen auch ehemalige Hauptschüler ins BBW. Sogar Ex-Gymnasiasten sind inzwischen im BBW anzutreffen. Einem steigenden Anteil der Teilnehmer bietet das BBW auch einen Wohnplatz, insbesondere weil die soziale und persönliche Situation der betroffenen Jugendlichen es erfordern.

BBW als zweite Chance

Wie die aktuellen Zahlen zeigen, sind Berufsbildungswerke für junge Menschen zunehmend die zweite Chance auf dem Weg ins Berufsleben. So hat fast jeder fünfte neue BBW-Azubi des Jahrgangs 2015 zuvor eine betriebliche Ausbildung abgebrochen. Das Ravensburger BBW liegt dabei zwar etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Dennoch waren es auch hier gut 16 Prozent der Lehrlinge, die es im ersten Anlauf auf dem freien Ausbildungsmarkt nicht geschafft haben.

BBW als Inklusionsschlüssel gefragt

Für BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke verdeutlichen diese Fakten die Bedeutung der Berufsbildungswerke als Spezialeinrichtungen, um Jugendliche mit immer höherem Teilhabebedarf am schwierigen Übergang von Schule und Beruf aufzufangen: „Das BBW als Inklusionsschlüssel wird mehr gebraucht denn je.“

Unterschiedliche Kulturen

Multikulturell geprägt sind die Berufsbildungswerke schon seit Jahren. So hatte bundesweit gesehen auch 2015 jeder fünfte Neueintritt einen Migrationshintergrund. Dazu kommt aktuell aber die große Aufgabe, die unterschiedlichsten Kulturen auch über Maßnahmen der Jugendhilfe zu integrieren und sich im Zuge der Flüchtlingsbetreuung etwa um Unbegleitete minderjährige Ausländer zu kümmern

Teilhabe als Ziel für alle

Und so richtet man sich mittlerweile an die unterschiedlichsten Zielgruppen. Gegründet wurde das Ravensburger BBW einst als Einrichtung für Menschen mit einer Lernbehinderung. Auch die gibt es nach wie vor im BBW. „Diese Jugendlichen brauchen vor allem eines: Zeit“, so Geschäftsführer Lüdtke. Wenn ihnen diese bei optimaler Förderung gewährt werde, könnten ihre vorhandenen Stärken gestärkt und neue Kompetenzen entwickelt werden. Doch egal mit welchen Vorgeschichten, Diagnosen und Startschwierigkeiten die jungen Menschen auch ins BBW kommen. Das Ziel ist für alle dasselbe geblieben: Teilhabe an der Gesellschaft.

Ergebnisse der Teilnehmereingangserhebung 2015 der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW)

 

 

erstellt am 21.09.2016



Um sie ging es bei der Teilnehmereingangserhebung: die Ausbildungsstarter des Jahres 2015.