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BBW hat eigene Fahrschule an Bord

RAVENSBURG - Teilhabe am Arbeitsmarkt: Dazu braucht es nicht nur eine gute Ausbildung, sondern oft auch einen Autoführerschein. Deshalb gibt es für die Azubis im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) Ravensburg nun eine eigene Fahrschule. Vorteil für die Jugendlichen mit besonderem Teilhabebedarf: die Unterstützung in Theorie und Praxis ist hoch, die Kosten halten sich trotzdem in Grenzen.


Führerschein: Wichtig für den Job

Mobilität ist gefragt im Arbeitsleben. Das gilt für den Job selbst sowie auch für den Weg zum Arbeitsplatz. In so mancher Branche ist der Führerschein da genauso wichtig wie der Gesellenbrief. Und das wird zum Knackpunkt, wenn es um die Vermittlung der jungen Berufsstarter in ein Praktikum oder eine Arbeitsstelle geht, wie BBW-Bildungsbegleiterin Irina Naumov weiß: „Gerade im Bereich Altenpflegehilfe oder im Fach Hotel und Gastronomie lautet oft die erste Frage: Hat der Bewerber einen Führerschein?“ Auch bei einer Arbeit auf dem Bau gehe es morgens schon in aller Frühe los – oft noch bevor die ersten Busse fahren. Ohne Führerschein ist man da klar im Nachteil.

Eigenes Fahrschulauto, eigener Fahrlehrer

Das BBW, das sich als „Inklusionsschlüssel“ versteht, will seinen Absolventen das bestmögliche Rüstzeug mit auf den beruflichen und persönlichen Weg geben – für eine umfassende Teilhabe. Schon seit über sechs Jahren kooperiert die zur Stiftung Liebenau gehörende Bildungseinrichtung deshalb mit der Fahrschule von Nicola Paradiso aus Meckenbeuren, um ihren Azubis zu fairen Konditionen den begehrten „Lappen“ zu ermöglichen. Nun hat man das Thema fest in das eigene Bildungsangebot integriert und seit wenigen Monaten die eigene „Fahrschule BBW Adolf Aich“ an Bord – samt eigenem Fahrschulauto. Der Fahrlehrer, Nicola Paradiso, ist dabei derselbe geblieben – jetzt aber als angestellte Teilzeitkraft der Abteilung Bildungsbegleitung im BBW. Um sein eigenes Geschäft in Meckenbeuren kümmert sich Paradiso zusammen mit einem Mitarbeiter weiterhin. Die BBW-Fahrschule ist für ihn ein sinnvolles Projekt, sei er jetzt doch noch näher dran an den Azubis.

Unterricht plus Stützkurse

Aufgeteilt in fünf Staffeln pro Jahr werden im BBW jeweils Gruppen von zehn bis zwölf Teilnehmer in Theorie und Praxis auf die Prüfungen vorbereitet. Dienstags und donnerstags ist Unterricht im BBW, dazu kommen die Fahrstunden. Das Ganze findet im Rahmen der Ausbildung statt. „Wir schauen aber darauf, dass der Berufsschulbesuch nicht in Leidenschaft gezogen wird“, betont Irina Naumov, im BBW Ansprechpartnerin für die Jugendlichen in Sachen Fahrschule. Ansonsten werden die Azubis für die Fahrstunden freigestellt – natürlich in enger Abstimmung mit ihren Ausbildern und Bildungsbegleitern. Die achten genau darauf, dass die Teilnehmer Lehre und Führerschein auch gut unter einen Hut bringen. Neben dem Standardprogramm gibt es mehrmals die Woche auch noch einen Stützkurs. In dieser Art Nachhilfestunde können die Fahrschüler gezielt Fragen stellen und die Theorie üben – bis wirklich alles sitzt und sie reif für die Prüfung sind.

Ideales Umfeld für Autisten

Bekannte Gesichter, gewohnte Umgebung: Ein Umfeld, das den BBW-Jugendlichen entgegenkommt. Denn viele von ihnen haben nicht nur Lernschwierigkeiten, sondern brauchen als Menschen mit ADHS oder mit Asperger-Autismus besondere Rahmenbedingungen. Der eine oder andere war auch schon mal in einer „normalen“ Fahrschule, hat es dort aber nicht geschafft und ist durch die Prüfungen gerasselt. Bei der BBW-Fahrschule stehen die Chancen gut – auch für Autisten. Erst vor wenigen Wochen habe wieder ein junger Mann mit einer Autismus-Spektrum-Störung seine Prüfung bestanden, berichtet Irina Naumov: „Und die sind dann richtig stolz darauf, dass sie es geschafft haben.“

Erfahrener Fahrlehrer

Im BBW bekommen sie dafür die nötige Zeit – und zwar ohne dass der finanzielle Rahmen gesprengt wird, wenn sie mehr Übungsstunden brauchen. Und mit seiner jahrelangen Erfahrung weiß Fahrlehrer Nicola Paradiso genau, wie er mit den BBW-Jugendlichen umgehen muss. „Sie brauchen Ruhe, Vertrauen, eine klare Linie und sehr viel Verständnis für ihre persönliche Situation und Geschichte“, erklärt er. Und mit dieser Rolle könne er sich voll identifizieren: „Deswegen mache ich den Job.“

Vor dem Prüfer sind alle gleich

Die Unterstützung ist also optimal, doch natürlich gilt auch hier: Von nichts kommt nichts. Die Eigeninitiative der Fahrschüler sei gefragt, sagt Naumov. Sprich: Die Motivation muss stimmen. Vor dem Prüfer sind dann sowieso alle Fahrschüler gleich. Aber auch sonst passe die eigene Fahrschule absolut zum „Inklusionsschlüssel“ Berufsbildungswerk. „Unsere Fahrschüler fahren ja nicht auf dem abgesperrten Verkehrsübungsplatz, sondern auf ganz normalen Straßen“, betont BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke.

erstellt am 26.04.2016



Im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) Ravensburg können Jugendliche während ihrer Ausbildung auch den Autoführerschein machen.  BBW-Fahrlehrer Nicola Paradiso ist bereit für die nächste Fahrstunde.