In Eigenregie: BBW-Azubis machen Praktikum in Norwegen

Fünf Wochen Oslo statt Ravensburg: Zwei Auszubildende des Berufsbildungswerks Adolf Aich (BBW) wagten die Reise nach Skandinavien – und zwar ganz auf eigene Faust. In Norwegen haben sie ein Auslandspraktikum gemacht, gefördert vom EU-Bildungsprogramm „Erasmus+“.

Längst hobeln, schleifen und sägen sie wieder im Schreinerzentrum des BBW, und doch wirkt das Praktikum in Europas Norden noch nach. Das sieht man nicht nur an den T-Shirts, die der 22-jährige Daniel Ernst und sein ein Jahr jüngerer Azubikollege Jan Fiedler tragen – „Interiørverkstedet“ steht da auf der Brust, der Name ihrer norwegischen Praktikumsfirma. Auch wenn die beiden jungen Männer von ihrem Skandinavien-Abenteuer erzählen, leuchten ihre Augen. Was ihnen besonders gefallen hat? „Die Kollegen, die Landschaft, einfach auch der Umgang miteinander“, schwärmt Daniel Ernst. „Wir sind dort herzlich begrüßt und total freundlich aufgenommen worden.“

„Da wollen wir wieder hin“
Der Einsatzort war neu für sie, das Land hatte aber schon vorher ihre Begeisterung geweckt: Zusammen mit weiteren Azubis und ihrem Ausbilder Cornelius Leopold waren sie nämlich 2015 schon einmal zum Arbeiten dort gewesen. Und das gefiel ihnen so gut, dass sie zuhause den Entschluss fassten: Da wollen wir wieder hin. Und nun wollen wir auch den zweiten norwegischen Partnerbetrieb des BBW kennenlernen – in Ski, einer 30 000-Einwohner-Stadt bei Oslo. Mit ihrem Wunsch kamen sie auf Leopold zu, BBW-Bildungsmanagerin Monika Kordula kümmerte sich um die Anfrage bei „Erasmus+“, dem EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Von dort gab es schließlich grünes Licht für die Übernahme der Unkosten für Reise und Unterkunft.

Zum ersten Mal geflogen
Jetzt hieß es Koffer packen: Nach der Bustour mit der ganzen BBW-Gruppe im Vorjahr ging es nun aber mit dem Flugzeug in Richtung Oslo. Schon das war ein besonderes Erlebnis für die Azubis: „Wir sind beide das erste Mal geflogen.“ Und zum ersten Mal machten sich Praktikanten aus dem BBW ganz alleine – ohne Betreuer – auf den Weg nach Norwegen. „Da gehört schon viel Mut dazu“, meint Cornelius Leopold und ist stolz auf seine Azubis, dass sie ihr Vorhaben tatsächlich durchgezogen haben.

Mit Spaß bei der Arbeit

Und wie: Im Betrieb brachten sie sich mit einem Acht-Stunden-Tag voll ein. Verständigungsprobleme? Die gab es nicht: Der Chef und viele Mitarbeiter sind deutsche Auswanderer, ansonsten half man sich mit Englisch aus. Und wie klappte es mit der Arbeit? Mit ihrer bisherigen Ausbildung im BBW seien sie gut gerüstet gewesen für die Aufgaben in Norwegen. Daniel Ernst zum Beispiel war in den kompletten Prozess der Möbelbau-Produktion eingebunden – und das überwiegend selbstständig: „Ich habe so gut wie alles selber gemacht“, berichtet der Tischler-Azubi. Während er viel unterwegs war, wurde der angehende Fachpraktiker für Holzverarbeitung Jan Fiedler vor allem in der Werkstatt eingesetzt. Dabei ging es unter anderem um einen Großauftrag – die Einrichtung eines Flughafencafés.
 
Fußball, Fjord und Wikinger

Und ihre freie Zeit? Die nutzten die beiden natürlich, um Land und Leute näher kennen zu lernen. Auf Einladung ihres Chefs waren sie beim Fußballländerspiel Norwegen gegen Deutschland im Osloer Ullevaal Stadion auf der Tribüne. Mehrfach erkundeten sie die norwegische Hauptstadt auch in Eigenregie, einmal machten sie einen kurzen Abstecher nach Schweden oder bestaunten einen Fjord. Zum selbst geplanten Kulturprogramm zählte zudem ein Besuch im Wikingermuseum.

Praktikum als „Eintrittskarte“ für einen Job

Neben den vielen Eindrücken und Erfahrungen brachten die BBWler von ihrem Norwegen-Praktikum auch ein offizielles Zertifikat mit. „Das könnte eine Eintrittskarte für so manchen Betrieb sein“, meint Ausbilder Leopold. Auf jeden Fall macht sich die Bescheinigung gut in ihren Bewerbungsmappen. Und die müssen schon bald fertig gemacht werden. Denn im Sommer 2017 stehen für beide die Abschlussprüfungen im BBW an.

Die Türen in Norwegen stehen offen
Und dann? Jan Fiedler zieht es vielleicht zurück in seine hessische Heimat, Daniel Ernst hat schon ganz genaue Pläne für seine Zukunft: Zwei Jahre möchte er im Beruf arbeiten und dann den Holztechniker samt Fachhochschulreife machen, damit er studieren kann. Und Norwegen? „Das ist auf jeden Fall eine Option“, betont Daniel Ernst. Beim ehemaligen Praktikumsbetrieb in Ski – so signalisierte der Unternehmenschef – stehen die Türen jedenfalls offen für die beiden BBW-Azubis.


Daumen hoch: Die beiden BBW-Azubis Daniel Ernst (links) und Jan Fiedler absolvierten ohne Begleitung ein Auslandspraktikum in einer norwegischen Schreinerei.

Die BBW-Azubis waren begeistert von der Arbeitswelt von Norwegen: Jan Fiedler bei seiner Arbeit im Praktikumsbetrieb.

Nicht weniger begeistert waren die Jugendlichen von der Natur: Daniel Ernst genießt die Freizeit draußen.