Auf Deutschkenntnisse folgt die Ausbildung

In der Ravensburger Josef-Wilhelm-Schule (JWS) der Stiftung Liebenau werden junge Flüchtlinge in speziellen Berufsvorbereitungsklassen unterrichtet. Im Zuge dieses sogenannten VABO (Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen) lernen die Schüler in erster Linie Deutsch. Neben dem Spracherwerb geht es aber auch um die theoretische und praktische Vorbereitung auf die Berufswelt. Mit Erfolg: So hat eine Reihe junger Flüchtlinge bereits einen Ausbildungsvertrag auf dem ersten Arbeitsmarkt in der Tasche.

 

Deutschstunde in der VABO-Klasse von Lehrer Olaf Mahnke. Auf dem Stundenplan steht heute der Konjunktiv II. Und irgendwie passt das auch ganz gut zu der Situation der jungen Flüchtlinge. Mit „Ich würde gerne…“ beginnen einige der Beispielsätze an der Tafel. Man könnte sie im Sinne der Migranten ergänzen mit: „…hier bleiben dürfen“ oder „…eine Ausbildung machen“. Letzteres ist für viele Schüler des aktuellen VABO-Jahrganges tatsächlich in greifbare Nähe gerückt. Denn sie haben für den kommenden Herbst eine Lehrstelle in Aussicht. 

Sechs Flüchtlingsklassen
Schon seit dem Schuljahr 2015/16 werden junge Flüchtlinge in der JWS, die zum Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau gehört, unterrichtet. Inzwischen sind es sechs VABO-Klassen. Das Deutschlernen steht dabei klar im Vordergrund. Die Schüler sollen sich so schnell wie möglich die neue Sprache aneignen, um dann den nächsten Schritt zu machen: den Übergang in ein „normales“ Berufsvorbereitungsjahr, den Besuch einer regulären weiterführenden Schule oder sogar gleich den Start in eine Berufsausbildung.

Schule, Abi, Studium
Einer von Olaf Mahnkes Schülern ist ein 16-Jähriger aus Afghanistan. Erst seit gut einem Jahr ist er in Deutschland, seine Sprachkenntnisse sind erstaunlich: „Das ist schon ein kleines Wunder“, lobt sein Lehrer und traut dem Jugendlichen das Abitur zu. Dessen eigene Ziele? „Ich möchte studieren und Hochbauingenieur werden.“ So einen Schüler habe er noch nie erlebt, sagt Mahnke. Doch auch vor den Leistungen der anderen hat der Lehrer allergrößten Respekt.

Viele sind traumatisiert
„Viele kamen ohne Eltern nach Deutschland, nicht wenige sind von den Erfahrungen im Heimatland oder der Flucht traumatisiert.“ So leiden einige an Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Und über allem schwebt die Frage: Wie geht es für mich weiter? „Ich weiß es nicht“, gesteht der 18-jährige Mustafa, Asylbewerber aus Afghanistan. Er hat fleißig Deutsch gelernt, sich gut integriert, dann kam der Ablehnungsbescheid. Für ihn ein Schock. Seine Gastfamilie hat einen Anwalt eingeschaltet, das Verfahren läuft. Er hofft, dass er zumindest noch seine Ausbildung in Deutschland machen darf. Den Ausbildungsplatz in einer Bäckerei, in der er sich im Praktikum bewährte, hat er quasi schon in der Tasche, und eigentlich schützt das vor einer Abschiebung.

Hoffen auf das Bleiberecht
Solche Schicksale bekommt Olaf Mahnke hautnah mit. Er weiß von den Problemen, die auf den jungen Schultern seiner Schüler lasten. Umso mehr freut er sich, wenn seine Arbeit Früchte trägt: „Es ist schön zu sehen: Das wird was, sie haben eine Perspektive.“ Und die haben – wenige Wochen vor dem Ende ihres VABO – fast alle seiner Schüler. Ein junger Afrikaner peilt zum Beispiel eine Ausbildung als Elektriker an. Ein weiterer Schüler beginnt eine Lehre zum Lackierer. Und Amir Khan aus Afghanistan winkt eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. Doch auch bei ihm ist das Bleiberecht noch nicht geklärt. Auch er setzt seine Hoffnungen auf die Lehre. Sein Praktikum-Betrieb wäre jedenfalls dazu bereit. Auch wieder so ein Satz im Konjunktiv.

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Unsichere Zukunft – und doch gute Perspektiven auf dem Ausbildungsmarkt: die VABO-Schüler von Olaf Mahnke in der Josef-Wilhelm-Schule Ravensburg